Benin und Kap Verde vor der Sensation - 7 Tickets, reichlich Chaos und Überraschungen bei Afrika WM-Quali!

von Mika Müller - 7.Okt. - 20:28

9 fixe Startplätze hat der afrikanische Fußballverband (CAF) für die WM 2026 erhalten – so viele wie noch nie. In der Oktober-Länderspielpause stehen die letzten beiden Spieltage an und 7 Tickets sind noch zu vergeben. Außerdem geht es noch um 4 Play-Off Plätze. Dramatik pur! Ausgewählte Spiele werden bei Sportdigital übertragen (auch über DAZN empfangbar), außerdem überträgt Fifa+ alle Spiele kostenlos (evtl. VPN nötig, weil in Deutschland die Rechte vergeben sind).

Modus: Hier beginnt das Chaos. Obwohl, eigentlich geht es einfach los: In Runde 1 wird in 9 Sechsergruppen gespielt. Die 9 Gruppensieger qualifizieren sich DIREKT für die WM. So weit, so einfach. 
Die ersten beiden Spieltage fanden im November 2023, zwei weitere im Juni 2024 und die restlichen sechs von März bis Oktober 2025 statt. Diesen langen Zeitraum müsst ihr nicht verstehen, den versteht keiner (wird später noch wichtig). 

Außerdem wird eine afrikanische Mannschaft am WM Play-Off Turnier der FIFA im März 2026 teilnehmen – und hier beginnt die Farce. Der CAF hat sich dafür einen besonderen Modus überlegt. Die 4 besten Gruppenzweiten spielen in einem Final Four im November den Play-Off Platz aus. Das bedeutet doppelten Play-Off Irrsinn für den Gewinner des CAF-Playoffs. Doch in Afrika läuft es nie normal. Weil Eritrea ihre Teilnahme zurückzog, hat die Gruppe E nur 5 Mannschaften. Um alle Gruppenzweiten vergleichbar zu machen, werden deswegen in den Sechsergruppen die Spiele des Gruppenzweiten gegen den Gruppenletzten nicht berücksichtigt. Noch dazu stehen erst 2 Gruppensieger fest: Ein Traum für alle Mathematik- und Fußballfanatiker!

Gruppe A

 

Hier ist es noch simpel. Weil Burkina Faso im September zuhause gegen Ägypten nicht über ein 0:0 hinauskam, benötigen die Pharaonen nur einen Sieg gegen den letzten Dschibuti. Wenn das wider Erwarten nicht gelingt, haben sie am letzten Spieltag noch ein Heimspiel gegen Guinea-Bissau. Burkina Faso könnte theoretisch noch Erster werden, muss aber erstmal das direkte Duell um Platz 2 bei Sierra Leone für sich entscheiden. Da diese kein Stadion haben, welches den eh schon niedrigen CAF-Standards entspricht, findet das Spiel in Liberia statt (Die Stadion-Thematik wird noch einige Male auftauchen). Burkina Faso selbst hat auch erst das letzte Heimspiel gegen Ägypten zuhause spielen können. Das ist besonders bitter, denn sie schenkten in den übrigen „Heimspielen“ viele Punkte her. 

Game to watch: 09.10.2025: Sierra Leone – Burkina Faso 18 Uhr.

Gruppe B

 

Der Sudan ging als Tabellenführer in den September. Das vom Krieg erschütterte Land legte einen sensationellen Run hin, doch ohne Happy End. Im Senegal musste man sich mit 2:0 geschlagen geben, anschließend verlor man durch die Niederlage gegen das bis dato sieglose Togo den Anschluss. Tabellenführer war dann die DR Kongo. Nach 1974 stand die Chance auf eine Teilnahme so gut wie noch nie. Zuhause in Kinshasa empfing man den Senegal, das Stadion war bereits mehrere Stunden vor Spiel begann komplett gefühlt – keiner konnte mehr rein, sodass es vor dem Stadion Tumulte gab. Die gab es nach Spielende auch im Stadion, nachdem die Mannschaft um Cedric Bakambu, Yoanne Wissa oder dem frisch eingebürgerten Aaron Wan-Bissaka eine 2:0 Führung kurz vor Schluss verspielte und mit 2:3 verlor. So steht der Senegal trotz einiger Patzer auf Platz 1. Mit Südsudan (A) und Mauretanien (H) steht dem Senegal das Tor zur WM weit offen. Sollte DR Kongo patzen, könnte es am letzten Spieltag den Showdown um Platz 2 geben. DR Kongo empfängt den Sudan. 

Prognose: Senegal setzt sich durch, DR Kongo erreicht die Play-Offs (und hat dort gute Chancen).

Games to watch: 

14.10. Senegal – Mauretanien 21 Uhr
14.10 DR Kongo – Sudan 21 Uhr

Gruppe C

 

Jetzt wird es völlig GAGA! 

Nachdem Nigeria erst 2 Spiele gewinnen konnte, stand das Schwergewicht eigentlich schon vor dem Aus. Erst recht, nachdem man das letzte Spiel in Südafrika nicht gewinnen konnte (1:1). Der WM-Gastgeber von 2010 glaubte die Teilnahme schon sicher, doch dann grätsche die FIFA dazwischen. Der Mittelfeldstratege Teboho Mokoena wurde beim 2:0 Sieg gegen Lesotho am 5.Spieltag trotz Gelbsperre eingesetzt. Mokoena bekam seine erste gelbe Karte am 18.November 2023. Südafrika spielt daraufhin 13 weitere Spiele (unter anderem Afrika Cup) bis Mokoena 7 Monate später am 11.Juni 2024 die zweite gelbe Karte sieht. Das Spiel, für das er eigentlich gesperrt war, fand am 21.März 2025 statt! Dazwischen liegen 21 Länderspiele! FIFA und CAF blamierten sich aber ebenso wie der südafrikanische Verband. Erst NACH dem direkten Duell zwischen Südafrika und Nigeria in den Septemberspielen wurde der Vorfall untersucht. Das Spiel wurde mit 0:3 für Lesotho gewertet – und auf einmal steht Benin an der Spitze! Auch Nigeria ist wieder im Rennen. Augrund eines 0:3 statt 2:0 hat Südafrika nun sogar die schlechtere Tordifferenz als Benin, die vom deutsch-franzosen Gernot Rohr trainiert werden, der gleichzeitig von 2016-2021 Nationaltrainer Nigerias war. Bekannteste Namen in seiner Mannschaft sind St.Pauli Stürmer Andreas Hountondji und Ex-Augsburg Stürmer Steve Mounie, der mit 5 Toren die Beniner Lebensversicherung ist. Ansonsten lässt Rohr eine junge, wilde Truppe von der Leine, die sogar schon Nigeria schlagen konnte.

Als wäre das nicht genug – ab zur Stadionthematik: Tabellenführer Benin konnte kein einziges Heimspiel ausrichten! Ebenso wie Simbabwe, die ihre Spiele immer in Südafrika austrugen. Und wer ist der nächste Gast im „Heimspiel“ von Simbabwe – natürlich Südafrika! Der Versuch das Spiel in ein anderes Land zu verlegen scheiterte und so kann Südafrika in Durban mit einem zusätzlichen Heimspiel Druck ausüben. 

Auch Ruanda muss erwähnt werden, der deutsche Trainer Torsten Spittler führte Ruanda sensationell zu 7 Punkten aus 4 Spielen (u.a. Sieg gegen Südafrika), besiegt in der Afrika Cup Qualifikation sensationell Nigeria (Benin war ebenso in beiden Gruppen), verließ die Nationalmannschaft allerdings Anfang des Jahres. Theoretisch hat auch Ruanda noch Chancen auf Platz 1 und 2, doch unter dem Nachfolger läuft es nicht mehr.

Games to watch: 

09.10 Lesotho – Nigeria 18 Uhr
09.10. Simbabwe – Südafrika 18 Uhr
09.10. Ruanda – Benin 18 Uhr
14.10 Nigeria – Benin 18 Uhr
14.10 Südafrika – Ruanda 18 Uhr

Gruppe D

 

Auch in Gruppe D bahnt sich eine Sensation an! Kap Verde bezwang die sehr zahmen Löwen aus Kamerun mit 1:0 und steht mit 4 Punkten Vorsprung auf Platz 1! Auswärts in Libyen kann der kleine Inselstaat Geschichte schreiben. Nur Island 2018 (330.000) hatte bei WM-Teilnahme weniger Einwohner als die Kapverdischen Inseln (427.000). Der komplette Kader ist im Ausland aktiv und der Großteil kommt aus der einstigen Kolonialmacht Portugal. Die gesamte Mannschaft besitzt gerade mal auf einen Marktwert von 23 Millionen Euro – den haben Frank Anguissa (27) und Bryan Mbeumo (55) von Kamerun ganz allein. Doch der kamerunische Fußball ist im Sturzflug. Verbandspräsident Samuel Eto’o wird vom Sportministerium übergangen, der nun stark kritisierte Trainer Marc Brys wurde gegen Eto’os Willen eingesetzt (Nach FIFA Statuten gar nicht erlaubt). Beim ersten Aufeinandertreffen kam es zu Handgreiflichkeiten. Nach dem Debakel auf den Kap Verden wurde eine Audio-Datei publik, in der Brys den im Verband tätigen Timothee Atouba angreift. Im ersten Spiel unter Brys stellte der Verband kein Trainingsmaterial bei, so musste das erste Training ausfallen. Bei diesem Chaos kann man nicht erfolgreich sein. Der 3.Platz Libyen ist nicht zu unterschätzen, unter neu Trainer Aliou Cisse (lange Senegals Trainer) wurden aus 4 Spielen 7 Punkte geholt und man ist in Schlagdistanz zu Kamerun. AFCON-Überraschung und WM Teilnehmer von 2006 Angola patzte zu oft und braucht ein Wunder für Platz 2.

Games to watch: 

08.10 Libyen – Kap Verde 15 Uhr
13.10. Kamerun – Angola 18 Uhr

Gruppe E

Gruppe E ist schnell erzählt – Marokko schießt alles kurz und klein! Dementsprechend wenig passiert in dieser Gruppe noch. Marokko wird versuchen auch das letzte Spiel zu gewinnen und somit die maximale Ausbeute zu holen. Für Tansania und Niger geht es noch um Platz 2, die Punktzahl wird aber in beiden Fällen wahrscheinlich nicht reichen.
Notable: Eritrea zog ihre Mannschaft vor Beginn der Quali zurück – aus Angst davor, dass die Spieler die Auswärtsspiele zur Flucht aus der heimischen Diktatur nutzen.

Game to watch: 

09.10. Tansania – Sambia 21 Uhr

Gruppe F

 

Es wird wohl nicht reichen für Pierre-Emerick Aubameyang und seine Gabuner. Am 8.Spieltag konnte Gabun die Elfenbeinküste zuhause nicht schlagen, das 0:0 verhilft dem amtierenden Afrika Cup Sieger zu einer guten Ausgangslage für die letzten beiden Spiele. Der Rest der Gruppe ist abgeschlagen, es geht nur darum, ob sich die Elfenbeinküste oder Gabun direkt qualifiziert und wer in die Play-offs muss. Noch ist theoretisch alles drin, aber die Elfenbeinküste hat mit den Seychellen und Kenia machbare Aufgaben. Die Ivorer haben noch kein einziges Tor kassiert und stehen so zurecht auf Platz 1. Der überragende Mann bei Gabun war Denis Bouanga – mit 8 Toren führt er die Torschützenliste in Afrika an. Für den 36-jährigen Aubameyang ist es die letzte Chance sein Heimaland im fünften Anlauf zur WM-Endrunde zu führen.

Games to watch: 

14.10. Elfenbeinküste – Kenia 21Uhr
14.10 Gabun – Burundi 21 Uhr

Gruppe G

 

Algerien steht kurz vor dem Ziel. Ein Sieg reicht für das Ticket nach Nordamerika. Auch weil Mosambik in der letzten Periode in Uganda mit 4:0 unterging und Guinea kein taugliches Heimstadion hat. Die Mannschaft um Sehrou Guirassy verpatzte ihre „Heimspiele“ in der Elfenbeinküste und Marokko. Ein 0:0 gegen Somalia, ein 0:1 gegen Mosambik kosteten wertvolle Punkte, ebenso wie die Auswärtsniederlagen bei Botsuana und Uganda - da hilft auch der 2:1 Sieg in Algerien nichts. Es bestehen lediglich Außenseiter Chancen auf Platz 2. Mosambik ist mein Favorit für Platz 2, das fußballverrückte Land hatte vor einer atemberaubenden Kulisse im Nationalstadion auch Algerien kurz vor der Niederlage. Ähnlich dürfte es gegen Guinea im letzten Heimspiel zugehen. Der aus Deutschland bekannte Stanley Ratifo ist der Stürmer von Mosambik, dem Heimatland seiner Eltern. Mit Reinildo (Sunderland) oder Geny Catamo (Sporting) sind auch bekannte Namen aus Europa dabei. Uganda ist zurzeit aber formstärker.

Games to watch: 
9.10. Mosambik Guinea 18 Uhr
14.10. Algerien Uganda 18 Uhr

Gruppe H

 

Die langweiligste aller Gruppen. Tunesien hat sich mit biederem Spielstil souverän durchgesetzt. 13:0 Tordifferenz nach 8 Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Der zweite Platz geht wohl nach Namibia mit Nationaltrainer Collin Benjamin. Aber auch diese Gruppe hat seine Geschichte. 

Äquatorialguinea schockte Gastgeber Elfenbeinküste beim letzten AFCON mit einem 4:0 Sieg – Doppeltorschütze war Emilio Nsue, der am Ende auch Torschützenkönig wurde. Dieser wurde 2011 für Spanien bei der U21 EM in der Nachspielzeit gegen Tschechien eingewechselt. 2013 folgte der Verbandswechsel zum Heimatland seiner Eltern. Aufgrund der Spielzeit für Spanien war der Verbandswechsel irregulär. Äquatorialguinea setzte ihn in der WM Quali 2014 zweimal ein, die FIFA wertete die Spiele mit 0:3 für den Gegner Kap Verde. Nach kurzer Pause spielte Nsue aber wieder für das Nationalteam, unter anderem bei 3 Afrikameisterschaften. Nachdem er 2024 Torschützenkönig wurde, hat man bei der FIFA festgestellt, dass sie den Antrag immer noch nicht genehmigt hatten und somit theoretisch jedes seiner 43 Länderspiele irregulär wäre. Rückblickend konnten nur die beiden Spiele aus der laufenden Qualifikation belangt werden und so wurde die beiden Auftaktsiege mit 0:3 für Namibia bzw. Liberia gewertet. Mittlerweile spielt Nsue wieder für Äquatorialguinea – mit Genehmigung! Dieses Durcheinander kostete der zentralafrikanischen Nation schon früh die Chance auf das WM Ticket – warum die FIFA erst nach 11 Jahren den Fehler bemerkte, muss man genauso wenig verstehen.

Games to Watch: 
09.10. Liberia -Namibia 18 Uhr

Gruppe I

 

Ghana ist mit Nationaltrainer Otto Addo auf WM Kurs, auch wenn der AFCON peinlich verpasst wurde. Man wäre schon einen ganzen Schritt weiter, hätte man zuletzt nicht im Tschad gepatzt (1:1). Der dortige Trainer, der Schweizer Raoul Savoy, ärgerte Ghana zuvor schon am 4.Spieltag, damals noch als Trainer der Zentralafrikanischen Republik. In einem wilden Spiel kam der Favorit gerade noch mit einem blauen Auge davon - 4:3 für Ghana. Dahinter lauern Madagaskar, die Komoren und das eigentlich favorisierte Mali, die sich aber zu viele Patzer erlaubten. Trotzdem ist alles noch offen, das größte Fußballmärchen wären die Komoren, eine kleine Inselgruppe nördlich von Madagaskar. 

Games to watch: 

8.10. Komoren – Madagaskar 18 Uhr
8.10. Zentralafrikanische Republik – Mali 18 Uhr
12.10. Ghana – Komoren 21 Uhr
12.10. Mali – Madagaskar 21 Uhr

Tabelle der Gruppenzweiten:

Weil Eritreas Rückzug einen Nachteil für die Gruppe E bedeutet, wird für die Tabelle der Gruppenzweiten das Duell mit den Gruppenletzten herausgerechnet. Wer wissen will was das im Detail bedeutet, kann sich diese Farce selbst ausrechnen. Am besten sieht es für Gabun aus, die sehr komfortabel dastehen. Ansonsten ist alles offen. Mit Nigeria drängt ein Schwrgewicht noch in die Play-Offs. 
Der Gewinner des Final Four muss dann im März sich im interkontinentalen FIFA Play-Off messen. Dort kämpfen dann sechs Mannschaften um die letzten beiden Plätze bei der Endrunde. Die vier in der Weltrangliste am niedrigsten platzierten Nationen treffen in zwei Halbfinals aufeinander. Die zwei am höchsten platzierten Teams ziehen direkt in die Endspiele ein. Die Sieger der zwei Finals qualifizieren sich für die WM 26. 


Im Prinzip doch eigentlich einfach, oder? :)

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