Deadline-Drama mit Happy End? Werders Sommer auf dem Transfermarkt!

von Kulli - 15.Sep. - 00:00
"Am Ende kackt die Ente." Das bekannte Zitat des legendären Sportkommentators Frank Buschmann beschreibt die Sommer-Transferphase des SV Werder Bremen ziemlich gut. Zu Beginn stockend, zum Ende hin berauschend. Aber fangen wir erstmal von vorne an...
Genau genommen am 17. Mai 2025: Nach einem 4:1-Auswärtssieg beim 1. FC Heidenheim beenden die Grün-Weißen die dritte Bundesliga-Saison seit dem Wiederaufstieg auf Platz 8 und verpassen somit denkbar knapp die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb.
In Folge der Partie verabschiedeten die Werderaner Oliver Burke, Milos Veljkovic sowie Anthony Jung. Alle drei waren lange Zeit Teil des Bremer Aufgebots, alle drei verließen den Verein nun ablösefrei. Vor allem Erfahrung ging durch die Abgänge verloren: Veljkovic war bis zu seinem Abgang der dienstälteste Akteur im Bremer Kader, Oliver Burke spielte eine gute letzte Saison im Werder-Dress und Tony Jung war aufgrund seiner Routine zu einem wichtigen Spieler für die Breite gereift.
Auch drei Leihspieler wurden verabschiedet: Derrick Köhn, Andre Silva und Issa Kabore, die allesamt jedoch nie vollends überzeugen konnten. Um eine Festanstellung von Andre Silva bemühten sich die Bremer Verantwortlichen vergeblich.
Somit taten sich schon früh im Sommer diverse Kaderlücken auf. Die größte jedoch tat sich abseits des Spielfeldes auf. Erfolgstrainer Ole Werner war nicht mehr zufrieden mit seiner Tätigkeit in Bremen und wollte seinen zum Sommer 2026 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Logischerweise lief es dann auf eine Trennung zwischen Werner und Werder hinaus, als Nachfolger verpflichteten die Jungs vom Osterdeich den Elversberger Erfolgstrainer Horst Steffen. Ein Übungsleiter, der einen besonderen Blick auf die Entwicklung von jungen als auch von erfahrenen Spielern legt.
Dementsprechend war klar, welcher Fokus in der Kaderplanung gesetzt werden sollte. Der Kader sollte verjüngt werden. Unter anderem wurden mit Patrice Covic, Karim Coulibaly und Salim Musah mehrere U19-Pokalsieger langfristig an den Verein gebunden. Ein logischer Schritt hinsichtlich der Zukunft.
Auf dem Transfermarkt blieb es jedoch lange Zeit ruhig. Anfang Juli wurde der erste Neuzugang präsentiert. Schon zu diesem Zeitpunkt gab es erste kritische Stimmen in Richtung Clemens Fritz, Geschäftsführer Profifußball, und Peter Niemeyer, Leiter Lizenzbereich. In Maximilian Wöber, ehemals Leeds United, fanden die Grün-Weißen den auserkorenen neuen Linksverteidiger für die von Steffen vorgesehene Viererkette.
Auf dem Papier ein guter Deal. Einerseits bekommen die Grün-Weißen einen Bundesliga-erfahrenen Verteidiger, andererseits kam aber auch Kritik auf. Diese war darin begründet, das Wöber ein gelernter Innenverteidiger sei und nun für die linke Verteidiger-Position eingeplant wurde. In der Vorbereitung wurde die Kritik bestärkt, da der Österreicher mit Tempodefiziten zu kämpfen hatte. Zudem gingen kritische Stimmen auf die Verletzungshistorie des 27-Jährigen ein, die im ersten Pflichtspiel der neuen Saison leider einen weiteren Eintrag erfuhr. Gegen die Arminia aus Bielefeld musste Wöber aufgrund einer muskulären Verletzung im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden. Er wird den Bremern noch weitere Wochen fehlen.
Durch die Leihe haben sich die Werderaner jedoch abgesichert, und das finanzielle Risiko der Verpflichtung geht nahezu gegen null. Sollte Wöber im Saisonverlauf aber wieder eine größere Rolle einnehmen, könnte er der Steffen-Elf aufgrund seiner Variabilität in der Defensive weitere Qualität und Tiefe verleihen. Die vereinbarte Kaufoption für Maximilian Wöber liegt zudem deutlich unter dem Marktwert, welcher von Transfermarkt.de auf rund acht Millionen Euro geschätzt wird.
Apropos Verletzungen. Ein schwieriges Thema bei den Werder-Anhängern. Die Saisonvorbereitung begann direkt mit zwei Schocknachrichten. Jens Stage verletzte sich im Training und trainiert erst seit Anfang September wieder mit der Mannschaft. Und dann kam die Hiobsbotschaft für Mitchell Weiser: Kreuzbandriss, monatelanger Ausfall des vielleicht besten Fußballers im Bremer Bundesliga-Kader. Dazu die Verletzung von Marvin Ducksch, der kein Spiel mehr für die Werderaner bestreiten sollte. Der Star der letzten Werder-Jahre wechselte in die zweite englische Liga zum aufstrebenden Club aus Birmingham. Im St. Andrews geht der gestandene Profi nun auf Torejagd.
Die Bremer waren also früh vom Pech verfolgt und mussten dementsprechend auf dem Transfermarkt tätig werden. Und das taten sie in Form der Verpflichtung von Samuel Mbangula. Der U21-Nationalspieler Belgiens kommt von Juventus Turin und passt perfekt ins Bremer Profil: jung, dynamisch, entwicklungsfähig. Mit einer Ablöse von rund 10 Millionen Euro gehen die Verantwortlichen um Fritz, Niemeyer und Kaderplaner Jahns ein gewisses Risiko ein. Geht der Transfer jedoch auf, erhalten die GrünWeißen einen absoluten Unterschiedsspieler. Im Spiel gegen Bayer Leverkusen konnte er bereits Anzeichen dafür liefern, warum auch Nottingham Forest an dem Außenbahnspieler interessiert war.
Die Wochen schritten voran, und weitere Verletzungen kamen hinzu. Nach dem Pokalaus in Bielefeld wurde der Ton deutlich rauer, Kapitän Marco Friedl forderte Neuzugänge. Die kriegte er jedoch zunächst nicht, es kam sogar anders herum. Mit Michael Zetterer wechselte ein weiterer Schlüsselspieler den Verein. Den Stammtorhüter zog es in Richtung Main-Metropole, die Eintracht hatte ihre Flügel ausgestreckt. Werder kassierte eine siebenstellige Summe im mittleren Bereich, mit Mio Backhaus kann man den Transfer jedoch intern auffangen. Als Ersatz für Zetterer verpflichteten die Bremer Karl Hein vom FC Arsenal. Zuvor war der junge Este an Real Valladolid verliehen und konnte den Abstieg des Krisenklubs nicht abwenden. Das Transfermodell ist das Standardmodell der Bremer in dieser Sommertransferphase: Leihe inklusive Kaufoption. Bei Karl Hein ein nachvollziehbarer Schritt, der Torwart ist als Nummer zwei hinter Toptalent Backhaus eingeplant.
Doch nach dem Bundesliga-Auftakt, der mit einer 1:4-Pleite in Frankfurt unangenehm ausfiel, ging es auf der Zugangsseite erst so richtig los. Yukinari Sugawara wurde aus Southampton ausgeliehen. Der 25-jährige Rechtsverteidiger lässt sich in die Kategorie "Soforthilfe" einordnen. Auch er kommt als Leihe nach Bremen, die Verantwortlichen um Clemens Fritz sicherten sich eine Kaufoption im mittleren siebenstelligen Bereich. Für einen Spieler aus der Premier League ein absoluter Steal, wie so mancher Experte zu sagen pflegt. Gegen Bayer Leverkusen war Sugawara direkt in der Startelf und konnte in Momenten seinen Mehrwert fürs Team aufblitzen lassen.
Gegen Leverkusen glänzte ein weiterer Neuzugang: Isaac Schmidt, Schweizer Nationalspieler, erzielte in seinem Debüt direkt einen Treffer und war gefühlt überall auf dem Platz zu finden – als Außenverteidiger eher ungewöhnlich. Und wie sollten die Transfermodalitäten anders aussehen in diesem Sommer? Auch Schmidt kommt als Leihe plus Kaufoption aus dem englischen Yorkshire. Werder war im Sommer 2024 schon an dem dynamischen und technisch starken Spieler interessiert, entschied sich jedoch für Derrick Köhn, der mittlerweile für Bundesliga-Konkurrent Union Berlin auf dem Platz steht. Nun ist Schmidt in Bremen zu Hause und bringt eine gewisse Variabilität ins Bremer Gefüge. Offensiv wie defensiv ein Mehrwert, wie das erste Spiel schon zeigte.
Doch so richtig interessant wurde es am Transfer-Deadline Day. Clemens Fritz betonte des Öfteren, dass gegen Ende der Transferphase der Markt noch einmal so richtig in Schwung kommen würde. Er behielt recht. Am letzten Tag konnten die Grün-Weißen den Star-Stürmer Victor Boniface von Leverkusen ausleihen. Ein Spieler, der den Marktwert des Bremer Ensembles in die Höhen steigen lässt. Auf 40 Millionen Euro wird der Marktwert von Boniface taxiert, so Transfermarkt.de. Klar ist jedoch auch, dass Werder den Nigerianer nicht bekommen hätte, ohne dessen Verletzungshistorie. Eine Woche vor seinem Wechsel an die Weser fiel Boniface in Mailand durch den Medizincheck – das Knie sei zu instabil. Boniface selbst betonte jedoch, dass er, wäre er verletzt, im Krankenhaus liegen würde und nicht Teil der Trainingseinheiten sei. Er sei dementsprechend fit und einsatzbereit. Sollte der spielstarke Stürmer in Form bleiben, wäre er ein massiver Gewinn für die Bremer Offensive, auch wenn er nur ein Jahr Spieler des SV Werder sein wird.
Ein Spieler, der länger Teil des Bremer Aufgebots sein könnte, ist Cameron Puertas. Der flexibel einsetzbare Mittelfeldspieler kommt aus Saudi-Arabien nach Bremen und soll der noch zu limitierten Werder-Offensive weitere Variabilität und Kreativität verleihen. Die bringt der Spanier mit Schweizer Wurzeln ohne Frage mit. Puertas besitzt das Potenzial zum absoluten Unterschiedsspieler, vor allem sein Spiel im letzten Drittel hebt ihn von anderen Akteuren ab. Mit Schmid und Mbangula kann er die Dreierreihe hinter Boniface beleben und für die lange vermisste Durchschlagskraft sorgen. Außerdem sicherte sich Werder eine Kaufoption, welche bei acht bis zehn Millionen Euro liegen soll, so diverse Medienberichte. Insgesamt kann man hinsichtlich der Transferphase also zufrieden sein. Einerseits konnte man den Kader um durchschnittlich ein Jahr verjüngern, außerdem hat man die Qualität des Kader erhöht. Der Kader der Saison 2024/2025 war laut Transfermark.de 132 Millionen Euro wert, der Kaderwert für die aktuelle Saison beläuft sich auf 195 Millionen Euro, eine Steigerung von circa 48 Prozent. Durch die vereinbarten Kaufoptionen hat Grün-Weiß sich die Entscheidungsgewalt hinsichtlich der sportlichen Zukunft der Spieler gesichert und kann somit alle Spieler, außer Victor Boniface, langfristig an den Verein binden.
Man kann also sehr gespannt sein, wie sich Werder in der aktuell angebrochenen Saison präsentieren wird. Die Qualität ist auf jeden Fall vorhanden, eine gewisse Eingewöhnungszeit wird es jedoch geben.
