Wael Mohya – Gladbach‘s Lennart Karl?

von Ben - 28.Dez - 12:00

Wer Ende Juni die U17-Meisterschaft verfolgt hat, dürfte neben der bayerischen Flügelachse um Karl und Mike vor allem an einem Spieler hängen geblieben sein: Wael Mohya. In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick darauf, ob und in welchem Maße er die Gladbacher Zukunftshoffnungen tragen kann und was ihn sportlich so außergewöhnlich macht.

Es ist nicht lange her, knapp 190 Tage, da lief das heutige Wunderkind noch für die U17 auf. Gemeint ist das B-Junioren-Meisterschaftsfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig. Am Ende entschieden die Borussen das Spiel für sich. Stellvertretend für den Sieg stand der Doppelpacker Can Armando Güner – doch verantwortlich für den gesamten Final-Run war kein anderer als Wael Mohya.

Der 16-Jährige erzielte in vier Spielen der Meisterschaftsrunde und genau 390 Minuten auf dem Feld drei Tore und drei Vorlagen. Als wäre das nicht genug, machte seine Präsenz auf dem Platz in allen vier Partien einen entscheidenden Unterschied. Beim 5:3 nach Verlängerung gegen Hertha BSC bereitete er ein Tor vor, genauso wie beim 4:3 gegen Hoffenheim eine Woche später. Noch eine Schippe legte er im Halbfinale gegen den FC Bayern drauf, als er beim 3:1 einen Doppelpack schnürte und Champions-League-Star Lennart Karl enttäuscht nach Hause schickte. Gekrönt wurde sein Lauf von einem Tor und einem Assist gegen die starken Leipziger B-Junioren.

Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt. Schnell sammelten sich Gerüchte um einen Abgang in Richtung Frankfurt, auch Ajax Amsterdam soll im Rennen gewesen sein. Heute ist er immer noch Borusse – anscheinend hat es Roland Virkus geschafft, den 16-Jährigen von seiner Perspektive am Niederrhein zu überzeugen.

Dort bricht er nun Rekorde, denn mit seinem Einsatz am 28.10.2025 im Pokal gegen den Karlsruher SC wurde er mit 16 Jahren, 9 Monaten und 28 Tagen zum jüngsten eingesetzten Gladbach-Profi aller Zeiten. Kurze Zeit später, am 13. Dezember, knackte er diese Marke auch für die Bundesliga. Somit wurde er mit 16 Jahren und 347 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Klubhistorie.

 

Mohya ist, so würden ihn wohl viele Medien beschreiben, ein Straßen-Fußballer. Sein Aushängeschild ist seine Ballkontrolle, sein Spielstil dementsprechend angepasst. Der Deutsch-Marokkaner tanzt seine Gegner regelmäßig auf engem Raum aus und liebt das 1-gegen-1. Mit seiner Spielweise ist er flexibel und in mehreren Systemen einsetzbar, seine Situationen kreiert er sich dabei häufig aus eigener Initiative.

In seinen beiden Bundesliga-Einsätzen konnte man es eindrücklich bestaunen. Eingesetzt wurde er offensiv sowohl als Halbraum-Zehner als auch als Breitengeber. In Wolfsburg, wie in der folgenden Szene gut zu erkennen, häufig auf den Flügeln.

 

Dabei sind die Muster des fast 17-Jährigen relativ simpel. Häufig heißt es: erst nach außen, dann in die Mitte. Meist bekommt er den Ball nur wenige Meter neben dem Seitenaus, dribbelt seinen Gegenspieler diagonal an und entscheidet sich 

a) für den Weg Richtung Grundlinie

b) fürs Attackieren des inneren Fußes seines Verteidigers 

oder

 c) für einen Pass ins Herz des Gegners, meist zwischen die Linien.

Im Juni erzielte er so auch das wichtige Tor gegen die Münchener U17. 

Allgemein ist er aber in seinen Mustern flexibel, beläuft Räume zwischen und hinter gegnerischen Linien, egal ob mit oder ohne Ball. Der Youngster hat eine super Fußarbeit, kommt selten aus dem Flow und wirkt stets zielstrebig in seinen Aktionen, Fahrlässigkeit ist ihm nicht nachzusagen. 

Offensichtlich wären seine Stärken in der Ballbehandlung kaum wertvoll auf hohem Niveau, hätte er keine anderen Qualitäten. Nun ist Wael Mohya weder ein Harry Kane, noch ein Kevin de Bruyne. Seine Stärken liegen klar dazwischen. Mit immer noch unter 17 Jahren spielt er seine großen Qualitäten so aus, dass sie ihre Wirkung maximieren und zwar mit cleveren Entscheidungen und einem klaren, souveränen Spielstil. Hat er in einer Situation nicht die Power für einen Abschluss à la Didier Drogba, dann sucht er sich eben einen besseren Winkel zum Abschließen. Ist ein Passweg minimiert und endete wahrscheinlich in einem Ballverlust, dann reißt der junge Dribbler eben andere Lücken in der Defensivordnung auf und bespielt diese. 

Solch eine Leichtigkeit merkt man Spielern häufig an, so auch bei ihm. Für ihn scheint das Spiel langsamer zu laufen als für die meisten seiner Altersgenossen. Klar ist auch, er ist ein Teamplayer und scheut sich nicht davor, mit seinen Mitspielern zu spielen.

 

Um diese Thesen noch stichhaltiger zu belegen, schauen wir uns am besten die Daten an. Deutlich zu erkennen sind die auffallend hohen Passquoten, welche ihn zum elementaren Bestandteil einer attraktiven und flüssigen Offensive machen. Gleichzeitig sticht die Anzahl seiner Antritte mit Ball hervor, was extreme Parallelen zu dem von mir erläuterten Muster aufzeigt, dass er gerne den Ball aufnimmt und für Abschnitte zwischen 10 und 30 Metern führt, bevor der Angriff in die entscheidende Phase geht.

Die restlichen Daten dürfen gerne individuell interpretiert werden, wichtig ist jedoch auch zu verdeutlichen, dass alle Daten auf U17-Level erfasst wurden und im Herrenfußball nur bedingt repräsentativ sind.

 

Können Fans die Gladbacher internationalen Zukunftsträume auf den Schultern des Offensivspielers ablegen - und könnte er eventuell die Rekordablöse im Borussia-Park knacken?

Natürlich ist diese Frage nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten, zu komplex sind die Wechselwirkungen zwischen Spieler und Verein und dem Spieler mit sich selbst. 

Sicher ist jedoch:

Mit Mohya und Borussia Mönchengladbach scheint sich ein Perfect Match gefunden zu haben, auf das wohl viele Bundesligisten neidisch sein dürften. Mit nur 16 Jahren verkörpert er die Werte des Borussia-Wegs: jung, wild, Marktwert-Potenzial.

In dieser Hinsicht werden um den Park alle Augen auf ihn gerichtet sein – und auch sportlich relevantere Clubs werden nochmal einen zweiten Blick auf den Youngster werfen. 

Stand jetzt aber gilt: Wael Mohya ist nicht nur eine von Fan-Hoffnung und Marktwertphantasie überzeichnete Momentaufnahme aus der eigenen Jugend, sondern eine echte Zukunftsoption für Borussia. Wohl kaum auf Lennart Karl Niveau, doch solch einem Druck darf der Junge in naher Zukunft auch keinesfalls ausgesetzt werden.

 

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