Stabilisiert, aber nicht repariert: Bochums Kader-Baustellen vor dem Winterfenster!

von Louis - 30.Dez - 14:00
Der VfL Bochum hat sich nach einem katastrophalen Start in Liga 2 stabilisiert und sollte im bevorstehenden Wintertransferfenster versuchen, die Fehler des Sommers zu kaschieren. Auch wenn man die Hinrunde positiv beenden konnte, sollte man nicht größere Mängel des Kaders ignorieren.
Dass der VfL sich wieder stabilisieren konnte, liegt hauptsächlich an der überragenden Arbeit von Uwe Rösler und seinem Team. Er übernahm den VfL nach dem 8. Spieltag mit 3 Punkten auf dem Konto und Platz 17 in der Tabelle- und war doch nicht vollends zufrieden über einen 10. Platz und 21 Punkten am Ende der Hinrunde. In einigen Spielen wäre noch mehr für seine Mannschaft drin gewesen, vor allem gegen Dynamo Dresden und zuletzt gegen den KSC. Trotzdem kann man von einem kleinen Wunder sprechen.
Der Bochumer Kader ist unausgewogen und weist einige Baustellen auf. In der Sturmspitze agierte über längere Zeit der junge Francis Onyeka, der von Leverkusen ausgeliehen ist. Inzwischen hat sich Philipp Hofmann in die Startelf zurückgekämpft und Onyeka darf auf seiner wahrscheinlich stärksten Position spielen: auf der 10, als zentrales Herz der Mannschaft. Uwe Rösler betonte des Öfteren, dass Onyeka der „beste Pressingspieler“ der Bochumer sei, weshalb er gegen den Ball häufig vorschiebt, um aus einem 4-2-3-1 mit Ball ein 4-4-2 gegen den Ball zu bilden. So kann er den deutlich pressingschwächeren Hofmann unterstützen.
Dass Onyeka mit seinen 18 Jahren allerdings über längere Zeit die alleinige Option für das Sturmzentrum war, zeigt die Mängel der Kaderplanung im Sommer. Ibrahim Sissoko, ein weiteres großes Missverständnis. Spielte diese Saison lediglich 124 Minuten, sein einziger Treffer war ein schwach geschossener Elfmeter. Er war viel verletzt und soll nun wohl bereits wieder auf dem Abstellgleis stehen. Michael Obafemi, spielte 20 Minuten und erinnert ein wenig an den damaligen Horrortransfer von Lys Mousset- zum Glück ist Obafemi nur geliehen. Auch hier steht ein Leihabbruch im Raum. Und zuletzt wäre da noch Mathis Clairicia, der aus der 3. Französischen Liga kam. Zwar ist sein Spielerprofil sehr interessant, seine Qualitäten sind aber lange noch nicht auf Zweitliganiveau. Zuletzt spielte er für die 2. Mannschaft in der Regionalliga, aber auch hier sieht man keine weitere Zukunft und versucht ihn zu verleihen.
Somit wird eine Sache klar: der VfL Bochum muss im Winter mindestens einen Stürmer verpflichten, je nachdem wie viele Abgänge es gibt. Die Mittel sind begrenzt und es kann sein, dass nicht jeder Abgangskandidat einen passenden Abnehmer findet. Derzeit steht der Name Samed Bazdar im Raum, an dem auch Schalke interessiert sein soll. Der kosovarische Mittelstürmer wechselte 2024 für 3m von Partizan zu Real Saragossa, konnte sich dort in dieser Saison allerdings nicht durchsetzen. Er würde dem VfL einen weiteren Stürmertyp bieten, den es so nicht im Kader gibt: einen mitspielenden, durchaus kreativen Mittelstürmer. Dies wäre ein Spieler, der vermutlich nur per Leihe zu haben wäre, eventuell mit einer Kaufoption. Genug Geld sollte der VfL durch Verkäufe von beispielsweise Cajetan Lenz im Sommer haben.
Weitere Schwachstellen des Kader sind ansonsten noch die Flügel und die LV-Position. Als LV ist Maxi Wittek gesetzt, besonders da er keinerlei Konkurrenz auf dieser Position hat. Rösch kann diese Position spielen, aber ist qualitativ nicht auf dem erforderten Level. Auch auf der RV-Position ist dies zu spüren. Morgalla ist ein absoluter Unterschiedsspieler in der 2. Liga, aber fällt er mal aus, dann wird es wieder eng. Felix Passlack ist einfach nicht gut genug und hat besonders defensiv große Probleme. Auch ein Kacper Koscierski ist noch nicht auf gutem Zweitliganiveau angekommen. Da man Passlack mit hoher Sicherheit nicht im Winter verkaufen wird, ist eine Verstärkung für die rechte Seite vermutlich nicht geplant, aber sollte im Sommer definitiv angegangen werden, ganz besonders wenn Morgalla den Verein wieder verlassen sollte. Der VfL hat zwar eine Kaufoption, diese gilt aber nur im Aufstiegsfall. Aktuell sollte die Bochumer aber eher nach unten als nach oben schauen.
Der letzte Große Mangel im Kader sind die Flügel. Hecking setzte auf die Dreierkette, in der klassische Flügelspieler nicht vorgesehen waren. So lässt sich auch das aktuelle Defitizit auf den Flügeln erklären. Holtmann ist, wenn er spielt, ein wichtiger Spieler für den VfL. Auf der anderen Seite ist Alfa-Ruprecht meist gesetzt, er konkurriert mit Koji Miyoshi. Ansonsten können noch Kwarteng und Wätjen auf den Flügeln spielen. Kwarteng ist zentral besser und bislang noch kein Startelfkandidat gewesen, wurde in der Vergangenheit auch regelmäßig durch Verletzungen ausgebremst. Wätjen ist zentral ebenfalls deutlich besser und ist eher „aus der Not“ geboren auf den Flügel ausgewichen, vor allem auch aufgrund seiner ausdauernden und intensiven Spielart. Dafür geht ihm aber die Torgefahr abhanden, die ein Holtmann durchaus ausstrahlt. Ich würde hier gerne noch einen Flügelspieler für die rechte Seite sehen, da Alfa-Ruprecht doch eher ungefährlich ist und bislang wenig scheinen konnte. Auch mit Miyoshi ist nicht unbedingt zu planen, da er, genau wie Kwarteng, ziemlich verletzungsanfällig ist. Ein verlässlicher, guter Flügelspieler wäre daher wünschenswert.
Transferperioden im Winter sind tricky- und trotzdem sollte der VfL Bochum sein Bestes tun, um sich zu verstärken. Die Mängel sind klar, vor allem Tempo fehlt insgesamt ein wenig. Mit Blick auf den Sommer sollte man sich auf jeden Fall schonmal vorbereiten und wenn möglich im Winter schon vorgreifen, denn eine Sache ist klar: es wird einen weiteren Umbruch im Kader geben. Das ist durch die Leistungen von Talenten und der Anzahl der Leihspieler im Kader unausweichlich.
