FC St. Pauli 2025/26: Blessin, Rekordtransfers und die heimlichen Gewinner der Transferphase?

von Mika Müller - 15.Sep. - 13:44

Der FC St. Pauli hat den Transfersommer genutzt, um sich auf ein neues Level zu bringen: Rekordzugänge, talentierte Perspektivspieler und ein Trainer, der klare Ideen verfolgt. Wie Blessin & Bornemann die Kiezkicker auf einen guten Kurs bringen, lest ihr hier.

Mit nur 41 Gegentoren stellte der FC St. Pauli als Aufsteiger die zweitbeste Defensive der Liga. An den ersten drei Spieltagen versuchte der Aufsteiger mitzuspielen und bezahlte Lehrgeld. Trotz respektabler Auftritte standen nach dem 3. Spieltag keine Punkte auf dem Konto, dafür aber sechs Gegentore – drei nach Ecke und zwei aus Kontern. Alexander Blessin wusste schnell an den richtigen Stellschrauben zu drehen und hauchte den Kiezkickern mit einer klaren Idee Leben ein. Aus einer soliden Defensive heraus umschalten und gefährliche Angriffe starten, gepaart mit einer hohen Lauf- und Einsatzbereitschaft. 

Dieses Konzept brachte schnell erste Erfolge, doch immer und immer wieder scheiterte St.Pauli an seiner Chancenverwertung - mickrige 28 Tore durften die Fans in der ganzen Saison bejubeln. Nach Expected Goals wären es immerhin 39.47 gewesen. Dennoch ist eine klare Spielidee zu erkennen. Das ist vor allem der Verdienst von Trainer Alex Blessin, dessen Verbleib über den Sommer hinaus aufgrund vieler Interessenten zunächst ungewiss war. Mit dem Erhalt von Erfolgscoach Blessin genoss die Umstrukturierung der Offensive höchste Priorität. 

 

Andreas Albers und Maurides, die beide fernab der Bundesliga Tauglichkeit sind, verließen den Verein. Der verletzungsbedingt bereits nicht mehr eingeplante Simon Zoller beendete seine Karriere. Außerdem wurde der Vertrag von Johannes Eggestein nicht verlängert, der sich Austria Wien anschloss. Dasselbe galt für Carlo Boukhalfa, der durchaus eine der positiven Überraschungen war. Der Deutsch Algerier läuft nun für den FC St.Gallen auf. Leihspieler Noah Weißhaupt kehrte zurück zum SC Freiburg. Deutlich schmerzhafter war der Abgang von Morgan Guilavogui. Die Kaufoption für den Angreifer vom RC Lens wurde zwar aktiviert, doch der Verein aus Nordfrankreich zog prompt die Rückkaufoption. Die Hamburger verlieren damit ihren Top-Torjäger. Auch der Dribbler Elias Saad, den St. Pauli einst in der Regionalliga entdeckte, suchte eine neue Herausforderung und schloss sich für zwei Millionen Euro dem FC Augsburg an. Scott Banks wurde zurück nach England verliehen. 

So verbleiben aus der vergangenen Saison nur noch drei Angreifer. Zum einen der technisch versierte Danel Sinani, der in der Rückrunde seinen Stammplatz eroberte und mit drei Scorern aus drei Spielen hervorragend in die Saison startete. Mit Oladapo Afolayan blieb ein weiterer Aufstiegsheld, der vor allem Tempo und Dribbling Fähigkeiten mitbringt, aktuell aber nur die Jokerrolle bekleidet. Der dritte verbliebene ist mit Abdoulie Ceesay ein sehr spannender Stürmer. Der 21-jährige Nationalspieler Gambias wechselte erst letzten Sommer aus seiner Heimat nach Estland, wo er mit 17 Toren in 23 Spielen auf sich aufmerksam machte. Bornemann schlug zu und verpflichtete den Stürmer bereits im Winter als Vorgriff auf die neue Saison. Nach 54 Bundesligaminuten in der Rückrunde wusste Ceesay in der Vorbereitung zu überzeugen und war direkt am 1.Spieltag entscheidend an der Aufholjagd gegen Borussia Dortmund beteiligt, indem er nach Einwechslung einen Elfmeter herausholte. Leider bremste ihn im Anschluss eine Schnittwunde aus. Ablösefrei neu dazu kam mit Mittelstürmer Ricky Jade-Jones ein schneller Umschaltspieler aus Peterborough (3.Liga England). Er wird wohl den Kaderplatz von Albers als klarer Back-Up übernehmen. 

Kurz darauf wurde überraschend der ebenso ablösefreie Mathias Pereira Lage vorgestellt. Mit Stade Brest erreichte der flexible Pereira Lage 23/24 den 3.Platz und qualifizierte sich sensationell für die Champions League. Dort stand er neunmal auf dem Platz, erzielte ein Tor gegen Salzburg und spielte sogar 90 Minuten gegen Real Madrid als linker Schienenspieler. Normal ist der gebürtige Franzose, der aber für Portugals U-Mannschaften auflief, eher im offensiven Mittelfeld oder auf den offensiven Flügeln zuhause. Für St. Pauli läuft er als Teil eines hybriden Dreiersturms auf. Allein aufgrund seiner technischen Fähigkeiten, gepaart mit seinem Tempo, stellt sich die Frage wie ein so begabter Spieler darstellbar war. Die Antwort: seine Scorerausbeute müsste deutlich höher sein. In sechs Jahren Ligue 1 scorte er nie zweistellig, seine beste Saison war die abgelaufene mit zwei Toren und sieben Vorlagen. Ebenso gut in die Spielzeit startete Andreas Hountondji, Leihgabe vom FC Burnley. Drei Tore aus drei Spielen trüben aber ein bisschen über den Fakt, dass die Abschlussqualität und Chancenverwertung bis dato Schwächen in seiner Karriere waren. 

Seinen Stammplatz wird er wohl mittelfristig an den absoluten Toptransfer verlieren, der kurz vor dem Deadline Day für eine Rekordablösesumme kam: Martijn Kaars. Der Niederländer war DIE Entdeckung der abgelaufenen 2.Bundesliga Saison und katapultierte den 1.FC Magdeburg mit 19 Toren und sechs Vorlagen auf den 5. Tabellenplatz. Kaars ist ein überragender Umschalt- und Abschlussspieler, der den Weg zum Tor sucht, aber auch mitspielen kann. Vier Millionen Euro ließ sich der FC St. Pauli den Stürmer kosten, das ist mehr als in den beiden Transferperioden zuvor ausgegeben wurde. 

 

Generell zeigte sich Geschäftsführer Andreas Bornemann ungewohnt spendabel. Joel Chima Fujita kam für dreieinhalb Millionen Euro aus St. Truiden. Ein sehr spielintelligenter Spieler, der auch zum Kader des japanischen Nationalteams zählt. Linksverteidiger Louis Oppie kam für zwei Millionen Euro aus Bielefeld um den bitteren Abgang von Philipp Treu zurück SC Freiburg zu kaschieren. Treu ist mit fünfeinhalb Millionen Euro gleichzeitig der neue Rekordabgang. Auch in dieser Hinsicht erreicht St. Pauli also neue Dimensionen. Neuzugang Oppie ist eines der Gesichter der Bielefelder Cinderella Story. An seinen starken linken Fuß dürften sich der SC Freiburg und Bayer Leverkusen noch gut erinnern. 

Aber auch ablösefreie Transfers kann Bornemann nach wie vor. Arkadiusz Pyrka kam für die rechte Schiene ablösefrei aus Polen und ist der sehnlichst gesuchte Konkurrent für Manolis Saliakas. Mit Simon Spari (Tor) und Jannik Robatsch (Innenverteidigung) wurden noch zwei Perspektivspieler von Austria Klagenfurt verpflichtet. Erwähnung finden muss auch Nick Schmidt, der zu seinem 18-jährigen Geburtstag verdientermaßen einen Profivertrag unterschreiben durfte. Bei ihm steht nach wiederholt auffälliger Vorbereitung das Bundesligadebüt in Aussicht. 

Der FC St. Pauli ist einer der Gewinner des Transfersommers, gewann das Derby gegen den HSV auswärts mit 0:2 und steht nach dem 3.Spieltag sogar auf einem Champions League Platz. Auch wenn das nur eine Momentaufnahme ist, gehe ich davon aus, dass der Stadtmeister wenig mit dem Abstieg zu tun haben wird. Dafür wurde die Spielerqualität erhöht, Eric Smith und Jackson Irvine konnten gehalten werden und Alex Blessin beweist immer wieder, dass er zu den besten Trainern der Liga gehört. Sowohl auf Zu- und Abgangsseite wurden Rekorde aufgestellt und wenn man auf das Alter der Spieler schaut, fällt auch etwas auf. Kaars ist 26, Fujita und Oppie sind 23, Pyrka und Jade-Jones 22 Jahre alt. Das sind Spieler mit Resale Value. 

 

Alles scheint in die richtige Richtung zu gehen. Der FC St. Pauli dürfte eines der spannendsten Teams der aktuellen Saison werden.

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