Befreiungsschlag im Schwabenland – VfB Stuttgart schlägt St. Pauli mit 2:0

von Kulli - 19.Sep. - 22:59
Der Saisonstart des VfB Stuttgart war bislang von Unzufriedenheit und Unruhe geprägt. Gegen die in starker Frühform befindlichen St. Paulianer sollte am vierten Spieltag wieder ein Sieg her. Der Gast aus Hamburg konnte zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Erfolge feiern – der Ligastart war der beste in der Vereinsgeschichte.
Im Vergleich zum Spiel in Freiburg nahm Sebastian Hoeneß einige Änderungen in der Startelf vor. Gegen die aggressiv auftretenden Gäste begannen Chema, Assignon und Tiago Tomas für Kapitän Karazor, Vagnoman und Bouanani. Besonders die Hereinnahme von Chema Andrés wurde von vielen Bad Cannstättern erwartet. Von ihm erhoffte man sich mehr Ruhe und Cleverness im Spielaufbau. Auf der anderen Seite setzte St. Pauli-Trainer Alexander Blessin nahezu die gleiche Elf wie beim Heimsieg über Augsburg ein. Nur Manolis Saliakas ersetzte Arkadiusz Pyrka.
Die Gastgeber versuchten, von Anfang an das Spiel zu bestimmen, besonders in der ersten Halbzeit, als sie auf die Cannstatter Kurve zuspielten. Schon nach drei Minuten wäre der Start fast belohnt worden. Nach einer Freistoßflanke von Angelo Stiller köpfte Ermedin Demirovic das 1:0 für den VfB, doch der Treffer wurde aufgrund einer Abseitsstellung von Demirovic wieder zurückgenommen.
St. Pauli agierte gewohnt aggressiv und kompakt aus einer Fünferkette. Chima Fujita sorgte früh für einige Ballgewinne. Die ersten 15 Minuten waren von vielen Aktionen zwischen den Strafräumen geprägt. Stuttgart versuchte, spielerisch nach vorne zu kommen, hatte aber wenig Erfolg. Außer Fernschüssen war zunächst wenig Gefahr zu erkennen.
In der 25. Minute hatte der VfB dann die große Chance zur Führung. Nach einem Konter wurde Tiago Tomas von Eric Smith im Strafraum gefoult. Der Schiedsrichter zeigte sofort auf den Punkt – sehr zum Unverständnis der Gäste. Tomas hatte den Kontakt des Abwehrspielers gesucht und angenommen. Doch der Elfmeter brachte keine Freude: Angelo Stiller scheiterte kläglich an St. Paulis Torwart Nikola Vasilj. Es war bereits der zweite gehaltene Strafstoß von Vasilj in dieser Saison. Wenige Minuten später rettete Vasilj erneut stark gegen Stiller, der frei vor dem Tor auftauchte, aber zu lange zögerte. Das 0:0 zur Halbzeit war aus Sicht von St. Pauli durchaus schmeichelhaft.
Kurz vor der Pause dann doch noch die Führung für Stuttgart: Nach einem Pass von Jamie Leweling setzte sich Demirovic durch und erzielte mit seinem zweiten Saisontor das verdiente 1:0. So ging es auch in die Kabinen.
Vier Minuten nach der Pause vollendete Neuzugang Bilal El Khannouss nach einer Vorlage Demirovics zum 2:0. Ein sauber ausgespielter Angriff des VfB Stuttgart, welcher die Weichen auf Heimsieg stellte. St. Pauli verzeichnete kurz darauf ihren ersten Abschluss – und was für einen! Louis Oppie traf die Unterkante der Latte. Der Abschluss wirkte wie ein Weckruf für den FC St. Pauli, Pereira Lage hatte eine weitere große Chance. Alexander Nübel zeichnete sich auch in der 71. Minute aus, als Oladapo Afolayan frei auf ihn zulief.
Die Chancenfrequenz der Gäste dämmte der VfB im Laufe der zweiten Halbzeit ein, das Spiel wurde kontrolliert. Zum Schluss hatten beide Mannschaften noch Chancen, doch am Ergebnis änderte sich nichts. Der VfB Stuttgart verdient sich einen 2:0-Heimsieg und atmet vorerst auf.
Vor allem, wie der Sieg zustande kam, lässt sich positiv einordnen. Der VfB hat sich mehrere ordentliche Chancen herausgespielt, Demirovic glänzte als alleinige Spitze. Im Zusammenspiel mit Leweling und El Khannouss funktionierte es teils sehr gut, die Hereinnahme von Chema Andrés zahlte sich ebenfalls aus. Mit einer Passquote von 85 Prozent und einer ebenfalls starken Zweikampfführung rechtfertigte der Neuzugang aus der Akademie von Real Madrid das Vertrauen von Trainer Hoeneß. St. Pauli kann nicht zufrieden mit dem Spiel sein. Defensiv ließ man untypischerweise einiges zu, Nikola Vasilj rettete oft für die in Rot spielenden Gäste. Auch die zuletzt verbesserte Effizienz ließ die Blessin-Elf vermissen. Pereira Lage, Oppie und Afolayan ließen große Chancen liegen.
Weiter geht es für St. Pauli am Samstag mit einem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Der VfB Stuttgart spielt schon am Donnerstag wieder. Dann beginnt für die Schwaben mit dem Heimspiel gegen Celta Vigo die Europareise.
