Danish Dynamite, die Rückkehr zu altbekannter Tugend und der dritte Trainer auf dem Gewissen?

von Kulli - 8.Nov - 14:57
Das Bild in der 95. Minute im Bremer Weserstadion spricht Bände: Ein lachender Horst Steffen kann vermutlich selbst kaum glauben, wie seine Mannschaft nach einer teils desolaten Leistung in Halbzeit eins am Ende als Sieger vom Platz geht. Geschafft wurde das durch eine für Horst Steffen typische Spieleigenschaft: Kampf und Wille.
Ohne Boniface und Mbangula tat sich Werder in Halbzeit zwei gegen tief stehende Wolfsburger schwer. Außer bei Distanzschüssen von Schmid und Sugawara strahlten die Grün-Weißen wenig Gefahr aus. Die Wölfe versuchten ihrerseits, über Konterangriffe gefährlich zu werden. Nach einer einfachen Ballstafette und fehlendem Bremer Zugriff erzielte Mathias Svanberg das 1:0 für die Gäste – Werder machte es dem Gegner wie schon in Mainz zu einfach.
Zur Pause waren vereinzelte Pfiffe im Weserstadion zu vernehmen – bei einer xG-Statistik von 0,18 bei 53 Prozent Ballbesitz und einer grundlegend fehlenden spielerischen Entwicklung durchaus nachvollziehbar.
In Halbzeit zwei zeigte die Steffen-Elf jedoch ein komplett verändertes Gesicht. Nach den Einwechslungen von Victor Boniface und Samuel Mbangula wurde das Bremer Spiel dynamischer und aggressiver. Chancen im Minutentakt waren die Folge – Wolfsburg verzeichnete währenddessen keinen Torschuss in den zweiten 45 Minuten. Die Werder-Dominanz zahlte sich dann in der 83. Minute aus: Jens Stage verwertete eine Sugawara-Flanke zum 1:1 und erzielte somit sein zweites Tor in den letzten beiden Spielen – beide Male zum wichtigen Ausgleich. Doch richtig wild wurde es erst in der späten Nachspielzeit. Sugawara und Boniface scheiterten am besten Wolfsburger in Form von Keeper Kamil Grabara. Dieser krallte sich danach seine beiden Innenverteidiger Moritz Jenz und Jenson Seelt. Wirkung zeigte das jedoch nicht – im Gegenteil: Jenz und Seelt waren nach einem kuriosen Seitfallzieher nicht auf der Höhe, und Samuel Mbangula nutzte die Müdigkeit der Hintermannschaft zum viel umjubelten 2:1. Heimsieg Werder – am Ende hochverdient.
67 Prozent Ballbesitz, 142 Pässe mehr und 6:0 Schüsse aufs Tor sprechen klare Worte. Für Wolfsburg-Coach Simonis dürfte das der letzte Nagel seiner kurzweiligen VfLLaufbahn gewesen sein. Kurios wäre dies deshalb, weil Werder somit für drei Trainerentlassungen sorgen würde: Leverkusen entließ Erik ten Hag, Borussia Mönchengladbach Gerardo Seoane. Hoffnung für die Wolfsburger: Nach den beiden oben genannten Trainerentlassungen ging es für beide Teams langsam, aber sicher in die richtige Richtung. Werder-Trainer Steffen kann besonders auf eine Tatsache stolz sein: Sein Team trifft gerne in der Schlussphase.
Gut die Hälfte aller Bremer Tore fiel in den letzten 20 Minuten der Spiele. Gegen Mainz und Wolfsburg fielen die letzten drei Tore in den letzten zehn Minuten – ein Wert, der stark an die erste Saison nach dem Wiederaufstieg 2022 erinnert. Eine Rückkehr zur alten Tugend.
Bei Werder kann man nun zufrieden in die Länderspielpause gehen. Mit 15 Punkten und fünf unbesiegten Spielen in Folge stimmen die Ergebnisse positiv – die fußballerische Leistung muss jedoch besser und konstanter werden.
Dass es die Mannen vom Osterdeich können, haben sie in der zweiten Halbzeit gegen die Wölfe gezeigt. Nach der Länderspielpause geht es dann brisant weiter: Es wartet das erste Wiedersehen mit Ex-Trainer Ole Werner.
