BVB-Talente bei der U17-Weltmeisterschaft in Katar: Ein Turnier voller Eindrücke!

von Sven - 24.Nov - 17:00
Am 3. November startete in Katar die U17-Weltmeisterschaft, das nächste große internationale Jugendturnier, erneut mit Beteiligung des BVB. Sowohl Deutschland, Schweiz und Italien als auch die USA standen im Teilnehmerfeld, und gleich mehrere Dortmunder Nachwuchsspieler reisten mit realistischen Hoffnungen auf Einsatzzeiten an. Für das Turnier waren Miguel Adje aus der BVB-U19 für die Schweiz, Mathis Albert aus der U19 für die USA, Luca Reggiani & Samuele Inacio aus der U19 für Italien sowie Mussa Kaba aus der BVB U23 für Deutschland nominiert.
Für Miguel Adje verlief das Turnier jedoch äußerst unglücklich. Der Linksverteidiger musste das Trainingslager der Schweiz in Katar verletzungsbedingt verlassen, bevor das Turnier überhaupt losging. Wie lange er ausfallen wird, ist bisher nicht bekannt. Besonders bitter, da Adje gute Chancen auf Einsatzzeit gehabt hätte.
Einer der spannendsten Spieler des gesamten Turniers wäre Mathis Albert, der die USA vertritt und bereits in der laufenden Jugendbundesligasaison in bestechender Form ist. Mit neun Toren und sechs Assists in elf U19-Spielen sowie einem Treffer in seinem inoffiziellen Debüt für die U23 reiste er mit viel Rückenwind an. Die USA marschierten souverän durch die Gruppenphase und holten drei Siege aus drei Spielen. Im Sechzehntelfinale folgte allerdings, wie bei der U20-WM, das Aus im Elfmeterschießen gegen Marokko. Albert kam in vier Partien zum Einsatz, drei davon in der Startelf, und spielte durchschnittlich 74 Minuten pro Spiel auf dem linken Flügel. Er erzielte ein Tor, vergab zwei Großchancen, kreierte eine weitere und gewann nur 37 Prozent seiner Dribblings. Trotz kleinerer Schwankungen war es insgesamt ein guter Auftritt, der seine bevorstehende Beförderung zur BVB U23 ab der Winterpause erneut untermauert.
Auch für Mussa Kaba endete das Turnier früh. Deutschland schied ebenfalls im Sechzehntelfinale aus und hinterließ insgesamt einen enttäuschenden Eindruck. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt U17-Trainer Marc-Patrick Meister, dessen Aufstellungen, Wechsel und Spielidee kaum überzeugten. Kaba jedoch spielte ein weitgehend stabiles Turnier. Er stand in allen vier Partien in der Startelf, absolvierte im Schnitt 86 Minuten und musste dabei mehrere Rollen ausfüllen. Zu Beginn agierte er als Sechser in einer Mittelfeldraute, im letzten Gruppenspiel und K.o.-Spiel wurde er aufgrund taktischer Anpassungen als Innenverteidiger aufgeboten. Kaba vergab eine Großchance nach einer Ecke, zeigte ansonsten aber solide Leistungen. Seine Passquote lag durchschnittlich bei 89 Prozent, 76 Prozent seiner langen Bälle kamen an, dazu gewann er pro Partie 5,8 Bälle zurück, verlor aber auch 8,5. Es gab kein Spiel, in dem er sein komplettes Potenzial am Ball und gegen den Ball gleichzeitig entfalten konnte, aber in beiden Bereichen setzte er individuelle Ausrufezeichen. Insgesamt bleibt ein leicht überdurchschnittliches Turnier, aus dem Kaba trotzdem mit positiven Eindrücken zurückkehrt und nun frühzeitig wieder für die BVB U23 in der Regionalliga zur Verfügung steht.
Zu den Mannschaften mit Titelambitionen gehörte Italien, und mit ihnen zwei Dortmunder. Luca Reggiani und Samuele Inacio. Italien erreichte das Halbfinale, wo am 24. November gegen Österreich Schluss war. Besonders hervor tat sich Innenverteidiger Reggiani, der in den ersten beiden Spielen noch von der Bank kam, ab dem dritten Spiel aber dauerhaft als Kapitän in die Startelf rückte. Er absolvierte fünf Einsätze über durchschnittlich 88 Minuten, spielte als linker Innenverteidiger und zeigte ein herausragendes Turnier. Seine Passquote lag bei 84 Prozent, er gewann 74 Prozent seiner Zweikämpfe, klärte im Schnitt 6,8 Bälle pro Spiel und eroberte 3,4 Bälle zurück. Besonders beeindruckend, er wurde gleich dreimal zum Spieler des Spiels gewählt, gegen Tschechien, im Achtelfinale gegen Usbekistan und im Viertelfinale gegen Burkina Faso. Reggiani bestätigte damit, dass er nicht nur ein Talent, sondern ein potenzieller Innenverteidiger mit echter BVB-Perspektive ist.
Der stärkste Dortmunder beim Turnier war allerdings Samuele Inacio. Der Offensivspieler, der bereits bei der U17-Europameisterschaft im Frühjahr 2025 Torschützenkönig wurde, knüpfte in der Gruppenphase nahtlos an seine damalige Form an. In den ersten drei Spielen sammelte er sechs Scorerpunkte, vier Tore und zwei Assists. In der K.o.-Phase blieb er ohne weitere Torbeteiligung. Er startete in allen sieben Partien, spielte überwiegend über die linke Seite, vergab drei Großchancen, kreierte drei weitere, gewann 56 Prozent seiner Dribblings und wurde dreimal zum Spieler des Spiels gekürt, jeweils in der Gruppenphase. Inacio zeigte eindrucksvoll, warum er als eines der spannendsten Offensivtalente seines Jahrgangs gilt. Diese Leistungen gilt es jetzt wieder in der U19 zu beweisen.
Insgesamt lässt sich aus BVB-Sicht ein positives Fazit ziehen. Trotz des frühen Ausscheidens mancher Teams präsentierten sich die Dortmunder Talente individuell stark. Reggiani und Inacio überzeugten auf internationalem Topniveau, Albert bestätigte in vielen Phasen seine gute Form, Kaba zeigte trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein stabiles Turnier, und bei Adje bleibt zu hoffen, dass seine Verletzung nicht schwerwiegend ist. Gleichzeitig ist es für den BVB ein kleiner Vorteil, dass viele Spieler nicht bis zum Ende des Turniers im Einsatz waren und nun mit ausreichend Regeneration in Youth League, U19-Bundesliga und Regionalliga zurückkehren. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie viel Rückenwind die Spieler aus diesem Turnier mitnehmen, die Qualität ist jedenfalls unübersehbar.
