Hölle Nord bebt: Flensburg ringt Kiel nieder und übernimmt die Spitze!

von Sven - 12.Okt. - 17:00
Der THW Kiel reiste als Tabellenführer mit 13:1 Punkten nach Flensburg, wo die SG Flensburg-Handewitt mit 12:2 Punkten nur knapp hinter ihnen lag. Beide Teams waren bis dahin ungeschlagen. In der „Hölle Nord“ taten sich die Kieler traditionell schwer, die letzten vier Bundesligaduelle in der GP Joule Arena hatte allesamt die SG gewonnen. Beim THW fehlten Rückraumspieler Emil Madsen (Knorpelschaden), Torhüter Gonzalo Pérez de Vargas sowie Routinier Hendrik Pekeler.
Das Spiel begann mit einem gehaltenen Wurf von Benjamin Buric gegen Elias Ellefsen á Skipagøtu. Das erste Tor der Partie erzielte Kent Robin Tønnesen für Flensburg. Kiel startete nervös, fand offensiv zunächst keinen Rhythmus. Erst nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Johannes Golla gelang Zerbe in der vierten Minute der erste Kieler Treffer. Nach einer weiteren Strafe gegen Flensburg nutzten die Gäste ihre Überzahl und gingen erstmals in Führung.
Doch die SG blieb bissig: Durch großen Einsatz von Golla und einen sehenswerten Heber von Emil Jacobsen glichen die Flensburger in der achten Minute wieder aus. Buric parierte stark, und durch Treffer von Golla ins leere Tor sowie Pytlick übernahm Flensburg die Führung. Kiels Abwehrchef Øverby kassierte in der zehnten Minute bereits seine zweite Zeitstrafe.
Nach 16 Minuten stand es 11:9 für Flensburg. Kiel hatte zu diesem Zeitpunkt schon drei Unterzahlsituationen überstehen müssen und zudem einen Siebenmeter vergeben. Golla erzielte mit einem wuchtigen Wurf vom Kreis das 12:10. In der 19. Minute kam Grgic erstmals ins Spiel und traf wenig später zum 14:12 nach starkem Durchbruch.
Die Partie blieb hitzig und körperlich intensiv. Kiel glich in der 22. Minute erneut aus. Jacobsen traf kurz darauf nur die Latte, während Grgic eine Zeitstrafe erhielt. Johansson verwandelte den fälligen Siebenmeter für Kiel. Im direkten Gegenzug glich Flensburg wieder aus. Kurz vor der Pause traf Zerbe von außen zum 16:18, und nach einer Parade von Wolff nutzten die Kieler ihren letzten Angriff, um mit 16:19 in die Kabine zu gehen. Auf Flensburger Seite erhielten Kirkeløkke, Grgic, Jörgensen und Torwart Kevin Møller wenig Spielzeit; bei Kiel blieben Dahmke und Bilyk auf der Bank.
Die zweite Halbzeit eröffnete Flensburg mit dem ersten Treffer, ehe Laube einen Siebenmeter gegen Møller vergab, der nun im SG-Tor stand. Das Spiel nahm an Tempo auf, in der 34. Minute stand es 20:20. Møller parierte erneut stark, Novak traf von außen zur 21:20-Führung, und Golla erhöhte im schnellen Gegenzug auf 22:20. Reinkind kassierte eine Zeitstrafe, wenig später auch seine zweite.
Duvnjak verkürzte in der 36. Minute mit seinem 1675. Treffer in der HBL-Geschichte. Doch Møller wuchs immer mehr über sich hinaus. Beim 24:21 nahm THW-Trainer Filip Jicha bereits seine zweite Auszeit (39.). Flensburg blieb jedoch stabil und baute die Führung auf 25:22 aus. Skipagøtu wirkte zunehmend müde, initiierte aber weiterhin gefährliche Angriffe.
Jacobsen traf per Siebenmeter zum 26:23 (42.), während Kiel erneut in Unterzahl agierte. Nach einer unglücklichen Aktion erhielt Pytlick ebenfalls eine Zeitstrafe, weil er nach dem Pfiff aufs Tor warf. Flensburg reagierte taktisch clever: Grgic übernahm als einer von fünf Feldspielern Verantwortung und erzielte mit einem Gewaltwurf das 27:24, kurz darauf legte er zum 28:24 nach.
Duvnjak hielt Kiel mit einem Durchbruch im Spiel, doch die SG hatte nun Oberwasser. Skipagøtu und Jacobsen trafen im Wechsel, während Møller sowohl einen Siebenmeter von Johansson als auch einen Wurf von Reinkind parierte. Die Stimmung in der Halle kochte, die Fans trieben ihre Mannschaft nach vorne. Sieben Minuten vor Schluss führte Flensburg mit fünf Treffern.
Jicha nahm seine letzte Auszeit sechs Minuten vor dem Ende und forderte mehr Mut im Angriff. Im Tor feierte der 2005 geborene Leon Nowottny sein Bundesliga-Debüt und parierte prompt seinen ersten Ball. Novak erhöhte auf 34:30, zwei Gegenstöße später stand es 36:31. In der 58. Minute verwandelte Zerbe einen Siebenmeter für Kiel. 46 Sekunden vor Schluss nahm Flensburg die letzte Auszeit. Nowottny hielt noch einmal stark, ehe die Partie mit 36:34 endete.
Flensburg blieb somit ungeschlagen und übernahm vorerst die Tabellenführung. Es war der 31. Sieg im 76. Bundesligaduell gegen den THW Kiel und erneut ein Beweis, warum die „Hölle Nord“ ihrem Namen gerecht wird.
Halbzeitergebnisse:
1.Halbzeit: 16:19
2.Halbzeit: 20:15
