FC Bayern München Zwischenzeugnis – Teil 1

von Mika Müller - 7.Okt. - 10:25

Die Oktober-Länderspielpause bietet die Möglichkeit ein erstes Zwischenfazit zu ziehen. In der Bundesliga steht der FC Bayern mit 18 Punkten deutlich an der Spitze. Alle sechs Spiele konnten mit einem beeindruckenden Torverhältnis von 25:3 gewonnen werden. In der UEFA Champions League führen die Münchner die Ligaphase an und mit dem Franz-Beckenbauer-Supercup steht der erste Titel bereits im Trophäenschrank. Die größten Schwierigkeiten hatte man ironischerweise im DFB-Pokal gegen Drittligisten Wehen Wiesbaden, konnte aber mit einem blauen Auge davonkommen und steht auch hier in Runde 2. Hier eine kleine Einzelkritik der Torhüter und Abwehrspieler:

Manuel Neuer: Es gab noch nicht den einen großen Manuel Neuer Moment, dennoch spielt der mittlerweile 39-jährige Schlussmann wieder einmal auf absolutem Topniveau. Drei Gegentore in der Liga sprechen für sich, der Kapitän ist bislang ein starker Rückhalt. Wirkliche Fehler hatte er nicht drin. Kein Wunder, dass ein mögliches DFB-Comeback medial hohe Wellen schlägt.

Note: 2

 Jonas Urbig: Urbig bekam bislang nur ein Spiel – im DFB-Pokal gegen Wehen Wiesbaden. Aus zwei Torschüssen erzielten die Gastgeber zwei Tore, wobei Urbig von seinen Defensivleuten sehr im Stich gelassen wurde. Der 22-jährige wird auch in der 2.Runde des DFB-Pokals gefordert sein, weil Manuel Neuer noch gesperrt ist. Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub Köln soll er noch ein Spiel erhalten. Es wäre wohl das Duell gegen Pafos geworden, doch ein Muskelfaserriss verhinderte das. Das Heimspiel gegen Brügge bietet sich an. Erst nach diesen beiden Einsätzen ist eine faire Bewertung möglich. 

Note: 3

Sven Ulreich, Leon Klanac, Jannis Bärtl: Kein Einsatz

Dayot Upamecano: Verpasste die heiße Phase der vergangenen Saison verletzungsbedingt und kam während der Klub-WM zurück. Agiert generell auf einem höheren Niveau als noch unter Tuchel und Nagelsmann. Hatte aber auch diese Saison schon seine Schwankungen. In Augsburg sehr wackelig und Mitschuld am Treffer zum 2:3, davor gegen Leipzig schon einen totalen Aussetzer gehabt, der fast zum 3:1 Anschluss geführt hätte und gegen den HSV zur Halbzeit nach einer sinnlosen gelben Karte (nach vorigem Kopfball zum Gegner) ausgewechselt. Sehr stark dann gegen Chelsea und Bremen, leitete gegen Werder sowohl den Strafstoß zum 2:0 und das 3:0 ein. Gegen Frankfurt allerdings teilweise wieder mit einigen Unsicherheiten.

Note: 3+

Min-Jae Kim: Viele Höhen und viele Tiefen. Gegen Leipzig nach Einwechslung sofort griffig in den Zweikämpfen und mutig mit Ball. Bereitete das 6:0 nach beherztem Vorstoß vor. Ein paar Tage darauf in Wiesbaden in der Startelf katastrophal, verliert z.B. vor dem 2:2 viel zu einfach das Kopfballduell, indem er gar nicht wirklich hingeht. Gegen Chelsea kam er zur Halbzeit für Tah und machte wieder ein starkes Spiel - hielt die 0 in der zweiten Hälfte. Auch gegen Hoffenheim anschließend gut. Gegen Pafos aber wieder chaotisch und mit Fehler vor dem 4:1. Bei nur 326 Spielminuten sind zwei Fehler vor Gegentoren, noch dazu gegen deutlich schwächere Gegner, für das Level einfach zu viel. 

Note: 4

Jonathan Tah: Wird zwar von der Medienlandschaft als Abwehrchef beschrieben, doch auch Tah wackelte schon mehrfach (Der Abwehrchef heißt Upamecano). Im DFB-Pokal bringt er Wiesbaden ins Spiel, hebt bei einer Flanke das Abseits klar auf und verliert dazu seinen Gegenspieler im Rücken. Auch in den Duellen mit Augsburg und Chelsea konnte er wenig Ruhe reinbringen. Stümperhaft gegen Leipzig vor dem später per VAR aberkanntem 4:1 (wegen Lukebas Dribbling beim Freistoß). Gegen Hamburg und Hoffenheim grundsolide. Warum das Tor am 5.Spieltag gegen Bremen für ihn gewertet wird, weiß er selbst nicht, trotzdem war das sein bestes Spiel. Auswärts bei Eintracht Frankfurt war er nicht hundertprozentig auf der Höhe. Auch in der Slowakei desolat für die Nationalmannschaft. Für einen Spieler seines Kalibers erwartet man deutlich mehr, dennoch eine Verbesserung zu Min-Jae Kim.

Note: 3-

Raphael Guerreiro: Obwohl kein fitter gelernter Linksverteidiger im Kader steht, kann er sich nicht auf dieser Position durchsetzen. Spielte kein komplettes Spiel als Linksverteidiger. Erst zwei Kurzeinsätze gegen Augsburg und den HSV, dazu startete er zweimal als LV: In Wiesbaden schwach, gegen Pafos mit gutem Auftritt samt selbst rausgespieltem 2:0, im Laufe der Partie dann aber auf der 10 eingesetzt. Auf dieser Position auch gegen Bremen, Frankfurt und Stuttgart eingewechselt worden, nie mit großem Impact.

Note: 3-

Sascha Boey: Zwischen Genie und Wahnsinn. Vor dem Gegentreffer in Augsburg sehr unglücklich und in der Folge komplett verunsichert. Bekam immer wieder seine Einsätze und nutzte seine Chance gegen Chelsea nach der Stanisic Verletzung. Startete in allen drei Spielen in der Bundesliga und fiel dort weder negativ noch positiv groß auf. Öffentlich als Bauernopfer gesehen, obwohl er meistens grundsolide oder sogar stärker ist, auch zB. gegen PSG bei der Klub-WM.

Note: 3

Konrad Laimer: Überragend! Konnte auch die letzten Kritiker verstummen lassen. Funktioniert rechts wie links, obwohl er eigentlich im Mittelfeld zuhause ist. Lauf- und Zweikampfmonster, sinnbildlich dafür seine Rettungsaktion gegen Chelseas Enzo Fernandez in der 7.Minute mit der er das 0:1 für die Gäste verhinderte. Funktioniert gerade im Zusammenspiel mit Olise sehr gut, seine Tiefenläufe geben dem Franzosen immer wieder Raum ins Zentrum zu ziehen. Bei allem hochverdienten Lob sind seine technischen Schwierigkeiten dennoch nicht zu leugnen. Sein First Touch ist oft unsauber, auch seine Passqualität ist nicht auf dem allerhöchsten Niveau. Laimer weis das mit Einsatz zu kaschieren. Trotz 3 Scorerpunkten gilt nett formuliert: Seine Stärken liegen eindeutig in den ersten beiden Dritteln. Vergibt immer noch zu viele Chancen, die er sich fairerweise oft selbst erarbeitet. Selbst Joshua Kimmich sagte über ihn:  "Der Konni hat ja jedes Spiel drei Chancen - Jetzt muss er's nur noch schaffen, die Dinger reinzumachen."

Note:1

Josip Stanisic: Nach Laimer der beste Verteidiger. Spielte links, obwohl er eigentlich als Rechts- und Innenverteidiger ausgebildet wurde. Macht einfach keine Fehler und spielt die Rolle als inverser Linksverteidiger überragend. Realtaktisch oft sogar als linker Zehner unterwegs. Brachte gegen Wiesbaden als Einwechselspieler direkt Stabilität und Dominanz, bereitete das 3:2 per Flanke vor. Verletzte sich gegen Chelsea, wird aber nach der Länderspielpause zurückerwartet. Spannend wird seine Rolle nach der Rückkehr von Alphonso Davies. Rechts sammelt Laimer genug Argumente. Deswegen - Achtung Hottake: Stanisic wird Tah verdrängen!

Alphonso Davies, Hiroki Ito, Cassiano Kiala: Kein Einsatz

Note: 2+

Fazit: Ein Eric Dier würde dem Kader guttun. Zu 100% fehlerfrei agiert nämlich keiner der Innenverteidiger. Dafür zeigen Stanisic und Laimer, dass sie zu den besten Außenverteidigern der Welt gehören. Auch Sascha Boey ist für die Bundesliga und generell als Back-Up völlig ausreichend. Guerreiro wird trotz Engpässen als 10er zweckentfremdet. Davies und Ito dürften noch dieses Jahr zurückkehren. Dennoch wäre eine Nachjustierung im Winter sinnvoll, weil gerade Kim und mit Abstrichen Tah und Upa immer noch vogelwild agieren. Außerdem ist die generelle Einsatzfähigkeit von Ito seit seiner Ankunft ein Problem. Seine Leistungsfähigkeit ist daher nicht zu erahnen. Auch wie schnell Davies sich von seinem Kreuzbandriss erholt, und auf Top-Level zurückfindet, ist eine ungewisse Variable. Um die gute Basis für einen weiten Champions League Run nicht zu verschwenden, wäre ein nahezu fehlerfreier Innenverteidiger schön. Das war Eric Diers Stärke, er machte keine besonderen Sachen, erledigte seinen Job aber makellos – genau das Gegenteil der jetzigen IV. Dieser Kontrast wäre wichtig. Ob Ito diese Rolle einnehmen kann bleibt abzuwarten.

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