Roland Virkus tritt zurück: Gladbach vor einem sportlichen & strategischen Neuanfang!

von Crokqz - 30.Sep. - 17:00
Rücktritt von Roland Virkus als Geschäftsführer Sport ! Wieso es lange überfällig war und wer jetzt auf ihn folgen könnte hier in diesem Artikel...
Roland Virkus tritt selbstständig aus dem Amt des Geschäftsführers Sport zurück, nach 35 Jahren in Mönchengladbach endet seine Zeit im Verein. 1990 startete er seine Karriere als Jugendtrainer bei der Borussia und stieg nach einem Jahr zum Trainer der U17 auf. Im Jahr November 2008 folgte dann die Beförderung Nachwuchskoordinator der Borussia, die wichtigste Position, wenn es um den Nachwuchs geht.
Im Februar 2022 kam es dann in Gladbach zu einem ordentlichen Beben auf Vereinslevel. Max Eberl, einer der wichtigsten Männer für den Erfolg der letzten Jahre, trat aus seinem Amt zurück und hinterließ eine große Lücke als Sportdirektor. Der Verein entschied sich daraufhin Roland Virkus das Vertrauen zu schenken und die Rolle als Sportdirektor zu übernehmen.
Eberl hinterließ einen ziemlichen Trümmerhaufen, viele auslaufende Spieler und ein Trainer, der die Spieler, die er für sein System haben wollte, nicht bekam. Spieler wie Thuram oder Bensebaini konnte Virkus nicht mehr verlängern, die Spieler hatten einfach zu viele Möglichkeiten und Angebote.
Er schaffte es jedoch mit Plea und auch Elvedi, der bis zu seiner Verlängerung aus dem Kader gestrichen wurde, die Verträge zu verlängern. Elvedi spielt bis heute bei der Borussia und Plea konnte man vor seinem letzten Vertragsjahr für 4,5 Millionen an die PSV Eindhoven verkaufen.
Ein Fehler die man Roland Virkus klar vorwerfen muss, ist die teilweise schwach geführte Kaderplanung. In seinem ersten Sommer holte er Nathan Ngoumou für 8 Millionen Euro, der bis heute nicht wirklich das zeigen konnte, was man sich von ihm erhofft hatte, auch wenn er immer wieder gute Ansätze zeigte. Außerdem holte er Oscar Fraulo, der nach zwei Leihen zu Utrecht bis jetzt keine wirkliche Rolle im Verein gespielt hat und dessen Vertrag 2026 ausläuft.
Im darauffolgenden Sommer holte er Tomas Cvancara für 10,5 Millionen Euro. Definitiv der schlechteste Transfer von Roland Virkus auf allen Ebenen, nicht nur konnte er sportlich bis auf die ersten Spiele nie überzeugen, sondern ist er außerdem extrem verletzungsanfällig und teilte im Frühjahr 2025 auf Instagram, dass er gebeten hatte im Winter 2024/25 verliehen zu werden, Roland Virkus seine Wünsche jedoch nicht beachtete.
Außerdem scheint die Defensive für Virkus oft kein wichtiger Punkt im Thema Transfers zu sein, viel zu selten holte er Defensivspieler und die Gegentorquote konnte kaum verbessert werden, so auch diese Saison (5 Spiele, 12 Gegentore). Hier müsste man endlich einen klaren Leader holen, der das Gegentorloch stopfen kann.
Es gab jedoch auch Arbeit von Roland Virkus, die nicht nur negativ zu betrachten ist. Neben den bereits vorher erwähnten Verlängerungen von Elvedi und Plea funktionierten Transfers von Itakura oder auch Kleindienst nahe zu perfekt. Beide wurden schnell zu Leistungsträgern im Team. Auch für Yann Sommer, dessen Vertrag im Sommer 2023 auslief, erhielt man bei Verkauf an den FC Bayern eine Ablöse von 9 Millionen Euro, die am Ende direkt in den Ersatzmann Jonas Omlin einflossen. Dieser hatte jedoch auch keine einfache Zeit in Gladbach, nachdem er sich mehrmals verletzt hatte, ist mittlerweile Moritz Nicolas die sichere Nummer Eins im Gladbacher Tor.
Zuletzt verlor Gladbach nicht nur seinen Trainer Gerardo Seoane, an dem Virkus laut vielen Fans zu lange festgehalten hatte, sondern musste sich auch mehreren schweren Klatschen gegen unter anderem Bremen (0:4) und Frankfurt (4:6) stellen. Seoane war bereits der dritte Trainer, der von Virkus entlassen wurde. Viele hatten bereits nach der Saison 2023/24 mit einer Entlassung von Seoane gerechnet, nachdem man in Gladbach nur knapp die Relegation entkam. Die Entlassung kam zum wohl schlechtestmöglichen Zeitpunkt, direkt nach dem Start in die neue Saison.
Jetzt ist also auch Schluss für Roland Virkus und Gladbach ist bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Wer könnte dieser werden, der dafür sorgt, dass Gladbachs Entwicklung wieder dahin führt, wo sie vor ein paar Jahren endete?
Der Name, der bei den Gladbacher Fans und auch in mehreren Foren bereits genannt wurde, ist Nils-Ole Book. Der 39 jährige aus Beckum ist seit 2017 beim SV Elversberg tätig. Erst als Scout übernahm er 2018 dann den Posten als Sportdirektor und stieg 2023 dann zum Sportvorstand auf. Unter ihm entwickelte sich der kleine Dorfverein zu einem ernsthaften Konkurrenten um den Aufstieg in die erste Bundesliga. Erst in diesem Jahr scheiterte Elversberg dramatisch in der Relegation an Heidenheim, nachdem gerade Paul Wanner, der einer der Erfolgsgeschichten Books ist, die entscheidende Vorlage lieferte. Book wäre ein interessanter Kandidat und gilt als großes Talent, wenn es darum geht, Spieler zu leihen und diese gut in das Team einzubauen. Beispiele dafür gibt es genug, von Woltemade und Paul Wanner hin zu Muhammed Damar und Fisnik Asllani. Gerade in der aktuellen Saison verlor er erst seine wichtigen Leihspieler und den Coach des Erfolges und schaffte es trotzdem, einen konkurrenzfähigen Kader für Elversberg zu bauen (7 Spiele, 16 Punkte, Tabellenplatz 2).
Ein anderer Kandidat der erst am Tag vor Virkus Rücktritt in nähere Betrachtung rückte ist der ehemalige Sportdirektor des FC Augsburgs Marinko Jurendic, der erst im Sommer bei Augsburg aufhören musste, was viele überraschte, da er mit Augsburg die beste Saison seit 2014/15 erreichte (43 Punkte , 2014/15 erreichte man die Europa League mit 49 Punkten). Sein wohl bester Transfer in letzter Zeit war der Transfer von Chrislain Matsima von AS Monaco. Man lieh ihn zuerst aus und zog nach der Saison die Kaufoption von 5 Millionen, ein unglaublicher Deal denn, Matsima konnte seinen Marktwert von 7 Millionen Euro auf 22 Millionen Euro steigern, Wert mehr als verdreifacht. Am Ende musste Jurendic wohl gehen, weil er zu lange am Trainer Jess Thorup gehalten hatte. Eine Entscheidung, die man in der Zukunft nach dem schwachen Start von Sandro Wagner eventuell noch in Frage stellen könnte.
Es wird garantiert spannend, wie sich Gladbach nun entscheidet und mit wem man in die Zukunft gehen will. Auf Platz 18 befindet sich die Borussia an einem Scheidepunkt, welcher die Zukunft des gesamten Vereins entscheiden könnte. Mit einem guten Wintertransferfenster könnte man sich sportlich noch von einer schweren Saison verabschieden, gerade die Defensive müsste Gladbach dann nochmal angreifen.
