Struktur vor Spektakel – Borussias Defensivarbeit gegen den FC Augsburg!

von Ben - 14.Jan - 17:30

Borussia Mönchengladbach lieferte gegen den FC Augsburg eine Defensivleistung ab, die weniger durch einzelne Aktionen, sondern vor allem durch klare und stabilisierende Prinzipien auffiel. Das Spiel ohne Ball ist scheinbar der simplere Teil bei der Betrachtung zwischen Offensive und Defensive, doch genau dieses Spiel zeigte viele Muster und Abläufe auf, die bei grober Betrachtung kaum auffallen. Strukturen, Mechanismen und die Momenten, in denen Borussia ins Wanken geriet; Alles dazu lest ihr in dieser Analyse:

Grundordnung und Blockverhalten:

Unter Eugen Polanski agiert Borussia Mönchengladbach überwiegend aus einem tiefen bis mittleren Block, variiert dabei jedoch situativ und sehr sauber in Intensität sowie Höhe des Pressings. Im Grundsatz setzt der junge Cheftrainer weiterhin auf eine Fünferkette, aus der heraus je nach Gegner und Spielsituation flexibel zwischen einer 5-4-1- und einer 5-3-2-Struktur gewechselt wird. 

Ballnah wird so verschoben, dass auf den Außen stets die Option zum Doppeln sowie eine zweifache Absicherung gegeben ist. Die mittlere Kette verschiebt dabei leicht versetzt, der ballnahe Sechser soll mögliche zentrale Anspielstationen im Bereich von fünf bis fünfzehn Metern zustellen.

Der äußere Spieler der Viererkette übt zeitgleich Druck auf den Ballführenden aus. So soll dem Gegner sowohl Zeit als auch Raum genommen werden, um aus der Breite ins Zentrum zu spielen. Das Ziel dabei ist den Rückpass in ungefährlichere Zonen zu provozieren.

Der ballferne Sechser rotiert infolgedessen tiefer in den Raum vor die Innenverteidigung, während der ballferne Außen einrückt, um kurze Verlagerungen effektiv zu unterbinden.

Pressingmechanismen und Übergänge:

Situativ stößt der ballnahe Sechser aus der geordneten Kette heraus und übt mit seinem Deckungsschatten zusätzlichen Druck aus. Meist geschieht dies aus einer 5-3-2-Struktur heraus und zwingt den ballführenden Spieler zur Verlagerung über die Abwehrkette.

Dieser Moment fungiert für Gladbach als klarer Auslöser, um ins Angriffspressing zu transformieren. Ziel ist es, den Gegner in die Dynamik in Richtung des eigenen Tores zu zwingen und dabei entweder einen hohen Ballgewinn oder einen unkontrollierten langen Ball zu erzwingen.

Auffällig war, dass Polanskis Elf im Vergleich zu vorherigen Partien deutlich häufiger auf hohes Pressing zurückgriff. So zwang man FCA-Keeper Finn Dahmen zu 13 langen Bällen, meist unter hohem Druck, von denen lediglich drei einen Mitspieler fanden. Eine Quote von 23 Prozent, deutlich unter seinem Saisondurchschnitt.

Die gute Gladbacher Positionierung im hohen Pressing erhöhte den Druck auf den Augsburger Schlussmann spürbar. Die Fohlen hatten ein gutes Gespür in der Balance zwischen Druck auf den Mann vor ihnen und der Sicherung des Raums hinter ihnen. So musste Dahmen den Ball in umkämpfte Zonen schlagen und konnte selten mit flachen Pässen in die zentrale agieren.

Nach-vorne-Verteidigen der Dreierkette:

Die gesamte Mannschaft war bei genannten hohen Bällen stets aufmerksam und zogen Zweikämpfen stets in der letzte Konsequenz durch. Kompromisslosigkeit und Entschlossenheit waren erforderlich, um Augsburg für hohe Abschläge zu bestrafen.

Besonders auffällig war das kontinuierliche Nach-vorne-Verteidigen der Dreierkette um Elvedi, Diks und Sander. Sie erkannten die Bedeutung dieser Duelle und fanden meist die bestmögliche Lösung für ein direktes Umschalten der Teamkollegen. 

Vor allem Nico Elvedi überließ keinen Ball dem Zufall und klärte konsequent in Richtung offensiver Halbraum, wo er regelmäßig die äußeren Mittelfeldspieler fand. So ergaben sich entweder direkte Optionen zur Tiefenbespielung oder zur kontrollierten Ballsicherung.

Problemzonen und Abstimmung:

Probleme in der Gladbacher Defensivordnung traten zwar eher selten auf, waren dann jedoch klar erkennbar. Beispielhaft steht dafür die 24. Spielminute.

Bei grober Betrachtung wird bereits klar: Luca Netz befindet sich durch sein Aufrücken in der falschen Kette, womit Borussia in der letzten Linie nur noch in Gleichzahl mit den aufgerückten Augsburgern steht. Zwar wird er von Neuhaus sofort zurückgewiesen, doch Augsburg erkennt den Vorteil zu schnell und bespielt den Raum vor und zwischen den drei Innenverteidigern.

Es ist Augsburgs gefährlichste Aktion der ersten Halbzeit. Ein Moment, der zeigt, dass solche Schläfrigkeiten gegen stärkere Gegner gnadenlos bestraft werden. 

Ein weiteres Problemfeld war die Kommunikation beim bereits erläuterten Herausschieben eines Sechsers ins hohe Pressing. Im gezeigten Beispiel stößt Reitz hervor, um mit seinem Deckungsschatten Massengo anzulaufen und durch Tabakovics unmittelbare Präsenz Druck auf Schlotterbeck und Zesiger auszuüben.

Sowohl Kevin Diks als auch Franck Honorat können hier anders agieren. Wird der Ablauf von ihnen frühzeitig erkannt, muss einer der beiden das Zentrum schließen, während der andere einrückt, um mögliche Anschlussoptionen sofort unter Druck zu setzen.

Stattdessen kommt der einfache Pass ins Zentrum auf Rieder zustande. Augsburg hat plötzlich ein 5-gegen-5 auf das Gladbacher Tor vor sich.

Fazit:

Abseits dieser klar identifizierbaren Problemzonen ließ sich nur wenig an groben Fehlern oder schlechter Abstimmung erkennen. Insgesamt zeigte Borussia Mönchengladbach eine sehr geordnete Defensivleistung mit guter Kommunikation, klaren Abläufen und hoher Bereitschaft aller Spieler, intensiv gegen den Ball zu arbeiten. Nun ist eine solche Geschlossenheit auch am heutigen Dienstag, dem 14.01, beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim gefragt

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