SCP trotzt Umbruch: Kettemanns Team überzeugt mit Disziplin und Defensive!

von Jonas - 5.Okt. - 19:33
Der SC Paderborn hat einen turbulenten Sommer hinter sich und dennoch einen starken Saisonstart hingelegt. Nach einem umfassenden personellen Umbruch auf und neben dem Platz zeigt sich das junge Team von Trainer Ralf Kettemann überraschend stabil. Acht Spiele, 17 Punkte, Platz vier, der SCP ist wieder ein Faktor in der 2. Bundesliga.
Der Umbruch zeichnete sich schon im Frühjahr ab. Nach dem Abschied von Lukas Kwasniok, der den Verein nach Platz vier in der Vorsaison verließ, übernahm Ralf Kettemann das Kommando. Der 38-Jährige, zuvor im Jugendbereich des KSC aktiv, steht für strukturierten, intensiven Fußball und eine klare Spielidee. Unter seiner Regie wurde der Kader kräftig umgebaut. Mit Nick Bätzner (Wehen Wiesbaden), Marco Wörner (Freiburg II), Dennis Seimen (VfB Stuttgart, Leihe) und Bennit Bröger (VfL Wolfsburg U19) und weiteren Spielern, kamen neue, entwicklungsfähige Spieler. Gleichzeitig verließen mit Ilyas Ansah und Aaron Zehnter zwei Leistungsträger den Verein – beide zu Rekordablösen. Auch hinter den Kulissen gab es Bewegung. Sportchef Benjamin Weber wechselte nach Augsburg, sein Posten wurde neu besetzt: Robin Trost übernahm als Sportdirektor, Dominik Roll wurde Leiter der Lizenzspielerabteilung, Sebastian Lange kam vom SC Verl als Geschäftsführer Sport. Ein kompletter Neustart also und einer, der sich bislang bezahlt macht.
Was den SCP in dieser Saison auszeichnet, ist die defensive Stabilität. Mit nur fünf Gegentoren stellt Paderborn zusammen mit Schalke 04 die beste Abwehr der Liga. Und das, obwohl Kettemann regelmäßig umbauen musste. Felix Götze, der in der Innenverteidigung als Leitfigur gesetzt schien, fiel zu Saisonbeginn angeschlagen aus. Marcel Hoffmeier riss sich früh das Kreuzband, Tjark Scheller sprang ein und überzeugte. Torwart Dennis Seimen, vom VfB Stuttgart ausgeliehen, und Laurin Curda auf der rechten Schiene sind bislang die einzigen Konstanten. Trotz der ständigen Wechsel funktioniert die Defensive erstaunlich gut. Gegen Braunschweig und Kaiserslautern fehlten gleich drei Stammkräfte. Götze, Hoffmeier und Obermair, doch Paderborn gewann beide Partien und kassierte nur ein Gegentor. Eine Entdeckung ist Mattes Hansen, eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause, der in der Dreierkette zuverlässig verteidigt. Auch seine Rolle steht sinnbildlich für den Paderborner Ansatz flexibel, laufstark, mutig.
Auf den Außenbahnen hat Kettemann seine Formation clever angepasst. Den Abgang von Aaron Zehnter auf der linken Seite kompensierte er intern: Obermair wechselte die Seite, Curda rückte nach rechts, eine Entscheidung mit Wirkung. Curda ist bisher Dauerbrenner, absolvierte alle acht Partien über 90 Minuten, erzielte ein Tor und bereitete zwei Treffer vor. Mit 83,5 gelaufenen Kilometern gehört er zu den laufstärksten Spielern der Liga (Platz 23). Obermair interpretiert die linke Seite deutlich anders als Zehnter. Statt Flanken setzt der Rechtsfuß verstärkt auf den Abschluss: 18 Torschüsse in sechs Einsätzen, im Team nur von Filip Bilbija übertroffen. Noch fehlt ihm der erste Treffer, doch die Zahlen zeigen die klare Idee von Kettemann.
Im Zentrum ist Santiago Castaneda der Taktgeber. Der 20-Jährige beeindruckt mit Präsenz, Zweikampfstärke und klugem Passspiel. Neben ihm wechselten sich zunächst der junge Luis Engelns und zuletzt Mika Baur ab. Der 21-Jährige nutzte seine Chance, überzeugte mit Dynamik und Übersicht und wurde zuletzt zweimal von den Fans zum Spieler des Spiels gewählt. Diese Balance im Mittelfeld ist ein weiterer Grund für den stabilen Start. Paderborn läuft viel, verteidigt diszipliniert und setzt Nadelstiche, wenn sich Räume ergeben.
Im Angriff ist noch Luft nach oben. Filip Bilbija ist mit fünf Treffern der erfolgreichste Torschütze, doch dahinter klafft eine Lücke. Mit 129 Torabschlüssen führt der SCP zwar die Liga an, verwertet aber zu wenig – elf Tore, nur ein geteilter achter Platz in der Liga. Steffen Tigges, im Sommer vom 1. FC Köln gekommen, sucht noch seinen Rhythmus. Fünf Startelfeinsätze, keine Torbeteiligung, 0,3 Abschlüsse pro Spiel, das ist zu wenig. Immerhin: In der Luft ist er präsent (53 Prozent gewonnene Duelle). Kettemann dürfte in der Länderspielpause weiter an seiner Einbindung arbeiten. Ein Lichtblick ist Stefano Marino. Der 21-Jährige traf zuletzt in der 88. Minute zum 1:0-Sieg und empfahl sich damit für mehr Einsatzzeit. Auch in der U21 sammelte der Offensivmann mit fünf Toren in vier Spielen Argumente.
Der Saisonstart des SC Paderborn ist gelungen. Trotz Umbruch, Verletzungen und Rotation steht das Team defensiv stabil, spielt laufintensiv und taktisch diszipliniert. Trainer Ralf Kettemann, der parallel noch seine Trainerlizenz abschließt, hat der Mannschaft in kurzer Zeit Struktur und Klarheit gegeben. Die Basis stimmt, was fehlt, ist die Effizienz vor dem Tor. Gelingt es, die Chancen besser zu nutzen, kann der SCP oben dranbleiben. Von Aufstieg möchte ich zwar noch nicht sprechen, doch die Richtung stimmt. Das nächste Spiel gegen Arminia Bielefeld dürfte richtungsweisend werden. Denn das Spiel ist nicht nur für die Fans wichtig, sondern wird auch zeigen, ob man die starke Phase nach der Länderspielpause weitergehen kann.
