Cajetan Lenz: die letzte Hoffnung für den VfL Bochum?

von Louis - 29.Sep. - 16:50
Der VfL Bochum befindet sich knietief im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Mit lediglich 3 Punkten nach 7 Spielen sieht es düster aus, eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Die einzigen Spieler, die halbwegs überzeugen sind junge Talente. Die meisten gehören aber nicht dem VfL Bochum, sondern sind von diversen Erstligisten geliehen. Die einzige Ausnahme: Cajetan Lenz. Ein junges Talent aus dem eigenen Nachwuchs, das vor der Saison niemand auf dem Zettel hatte. Lenz kam aus dem Nichts und ist inzwischen nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken.
Der 19-Jährige Deutsche spielte vor zwei, drei Jahren eigentlich noch deutlich offensiver, als er es jetzt tut. Cajetan Lenz kommt eigentlich aus dem offensiven Mittelfeld, spielt inzwischen nur im defensiven Mittelfeld und hat sich schnell an das Niveau der 2. Bundesliga akklimatisieren können.
Lenz spielte sich schnell in die Bochumer Startelf und ist inzwischen im defensiven Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. Er ermöglicht eine kontrollierte Ballzirkulation mit ihm als „Posession Enabler“. Dafür benötigt man ein hohes technisches Level, ein gutes Spielverständnis und eine hohe Ballsicherheit. Und dies ist bei Lenz definitiv gegeben: Lenz ist sehr ballsicher, scannt permanent das Spielfeld und weiß so immer, ob er von einem Gegenspieler unter Druck gesetzt wird oder nicht. Dies hilft ihm vor allem bei der Entscheidungsfindung: sollte er den Ball klatschen lassen oder kann er aufdrehen? Dazu ist Lenz recht pressingresistent, verfügt über eine saubere Ballannahme und ist aufgrund seiner Physis und seiner Dribblingqualität nur schwer vom Ball zu trennen. Lenz fordert zudem sehr viele Bälle, strahlt ein Gefühl von Sicherheit aus und wirkt in seinem Spiel schon sehr reif.
Auch auf längere Distanzen zeigte Lenz, dass er durchaus präzise Seitenverlagerungen spielen kann. Er hat eine gute Übersicht, entscheidet sich schnell. Durch seinen hohen Aktionsradius ist Lenz also nicht nur auf das Aufbauspiel und die Ballbesitzsicherung zu reduzieren, da er auch durchaus aus der Tiefe das Spiel gestalten kann. Dies zeigte er beispielsweise in einem Testspiel gegen die Young Boys Bern, wo er mit seinem schwachen (!) linken Fuß Broschinski in der Tiefe bediente und so den Angriff zum 4:4 einleitete. Dies zeigt auch, dass sein linker Fuß durchaus stark ist. Ich würde zwar nicht sagen, dass er beidfüßig spielt, da er doch eine starke Präferenz für seinen starken Rechten hat, aber sein linker Fuß ist definitiv brauchbar, auch auf längere Distanzen.
(Beispielvideo seines Spielstils: https://x.com/lscclips/status/1949863663990345933/video/1 )
Um eine saubere Ballzirkulation zu erlauben, ist außerdem auch die Bewegung ohne Ball wichtig. Und hier zeigt Lenz, dass er nicht nur fleißig, sondern auch clever ist. Er bietet seinen Mitspielern immer eine Anspielstation an, bewegt sich in freie Räume- auch nach Abspielen sucht er direkt den freiwerdenden Raum, um Situationen spielerisch zu lösen. Durch seine hohe Scanningfrequenz, weiß Lenz wie bereits erwähnt immer, wann er „aufdrehen“ kann. Nachdem er sich gedreht hat, kann man meistens einen kurzen Antritt wahrnehmen. Anschließend sucht Lenz das Abspiel, oft ist dieses sehr vertikal, z.B. gegen Schalke 04, wo er den Führungstreffer der Bochumer sehenswert einleitete.
Lenz passt perfekt zum VfL Bochum, auch in Hinsicht auf die Bochumer Spielweise. Der VfL brachte unter Thomas Reis den Trend in die Bundesliga, den Gegner mannorientiert zuzustellen und zu pressen. Und dies wird zumindest unter Siebers teilweise fortgesetzt. Für dieses Pressing bringt Lenz eine sehr hohe Intensität mit, agiert zielstrebig und mit hohem Tempo. Durch sein aggressives Pressing verzeichnet Lenz viele Ballgewinne, auch wenn nicht immer er den Ball gewinnt. Oft verspringt der Ball im Zweikampf und ein Mitspieler kann diesen aufsammeln. Seine Pressingqualität- und Frequenz sieht man auch an seinen Statistiken der U19-Bundesliga, die ihn mit 13,7 Defensive Actions pro 90 Minuten in den Top 5% der Liga ranken. Und ähnlich gute Werte liefert Lenz auch in der 2. Bundesliga: mit 5,7 Wiedereroberungen pro 90 Minuten gehört Lenz zu den Top-Wiedereroberern der Liga.
Im direkten Zweikampf wirkt Lenz für sein Alter ebenfalls sehr ausgereift. Oft könnte er etwas aggressiver auftreten, verteidigt aber auch viel mit seinem Stellungsspiel. Er gewinnt 6,48 Zweikämpfe pro 90 Minuten, womit er sich im 19. Perzentil in der 2. Bundesliga befindet. Und in der Luft ist er nochmal dominanter, gewinnt 2,16 Luftzweikämpfe pro 90 und gehört somit zur Top 13% der 2. Liga. In der Luft hat man auch schon eine klare Verbesserung erkennen können. In der Saisonvorbereitung hatte Lenz noch Probleme mit der Präzision seiner Kopfbälle, inzwischen hat er dies klar verbessern können. Generell wird Lenz mit der Zeit nur besser. Er ist schon sehr weit, seine Entwicklung ist aber definitiv noch nicht beendet.
Ich rechne damit, dass dies vermutlich die erste und letzte Saison von Cajetan Lenz in Bochum ist. Je nachdem, wie es mit dem VfL Bochum weitergeht, ist ein Verkauf unausweichlich. Generell muss der VfL Transfererlöse erzielen, außer Lenz und ggf. noch Ibrahima Sissoko gibt es sonst keine Spieler, mit denen man nennenswerte Summen erzielen könnte. Lenz hat definitiv das Zeug zur Bundesliga und wird diesen Schritt früher oder später gehen.
