Frühlingsgefühle oder langer Winter - Wen trifft das Abstiegsgespenst? Der Abstiegskampf Check

von Kulli - 05.März - 12:00
Noch zehn Spieltage, dann ist die Bundesliga-Saison 2025/2026 Geschichte. Noch ist unklar, welche Mannschaften am Ende am negativen Ende der Spielzeit-Geschichte stehen werden. Zwischen Platz 10 und Platz 17 liegen nur acht Punkte, das sind drei Siege. Das Rennen um den Klassenverbleib beleuchte ich in diesem Artikel, Was spricht für uns was spricht gegen wen? Das beantworte ich in diesem Artikel.
1. FC Heidenheim - mit Stolz abtreten:
Mit noch zehn ausstehenden Begegnungen benötigt der 1. FC Heidenheim im Grunde ein Wunder. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt steht metaphorisch mit einem Bein in der 2. Bundesliga. Der 52-jährige Kulttrainer sprach nach dem 0:2 beim ebenfalls kriselnden SV Werder Bremen selbst von einem Weg, der „Stand jetzt in die 2. Liga führt“. Dass dieser Weg womöglich bereits seit Saisonbeginn vorgezeichnet war, wurde in den vergangenen Monaten immer wieder diskutiert. Vor allem der Abgang des Relegationshelden Leonardo Scienza stieß vielen Fans sauer auf. Erst in der Wintertransferphase reagierten die Verantwortlichen mit der Leihe von Eren Dinkçi – für viele Beobachter zu spät.
Aktuell stehen für die Ostalbler 14 Punkte zu Buche. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison hatte man lediglich einen Zähler mehr gesammelt, doch der Unterschied ist gravierend: Damals betrug der Rückstand auf den Relegationsplatz nur zwei Punkte, inzwischen sind es acht. Das Torverhältnis von 22:53 spricht eine deutliche Sprache. Heidenheim stellt die schwächste Offensive der Liga und teilt sich – gemeinsam mit dem Tabellen-17. aus Wolfsburg – die anfälligste Defensive. Vieles deutet somit auf den ersten Abstieg aus der Beletage des deutschen Fußballs hin. Auch ein Blick auf die erweiterten Statistiken unterstreicht die sportliche Misere: 12,8 Abschlüsse benötigt der FCH im Schnitt für einen Treffer, die Passquote liegt bei lediglich 78,3 Prozent.
Ein Hoffnungsschimmer bleibt die für das „gallige Dorf“ typische Intensität. In den Kategorien Laufdistanz und intensive Sprints bewegt sich Heidenheim im oberen Mittelfeld. Doch der hohe Aufwand zahlt sich bislang nicht aus. Im Kalenderjahr 2026 warten die Brenzstädter weiterhin auf einen Sieg, der letzte Erfolg datiert vom 6. Dezember 2025 – ein 2:1 gegen den SC Freiburg. Auch das Restprogramm macht wenig Mut: Die durchschnittliche Tabellenplatzierung der verbleibenden Gegner liegt bei 8,9. Vieles spricht daher dafür, dass das Bundesliga-Märchen des 1. FC Heidenheim nach dieser Saison – zumindest vorerst – sein Ende finden wird.
VFL Wolfsburg - Abwendung des Horrorszenarios:
Beim VfL Wolfsburg hängt der Haussegen nicht erst seit gestern schief. Nach einem verkorksten Saisonstart trennten sich die Verantwortlichen sowohl von Sportdirektor Sebastian Schindzielorz als auch vom erst im Sommer verpflichteten Trainer Paul Simonis. Als Nachfolger übernahm der frühere U19-Coach Daniel Bauer – und sorgte zunächst für Aufbruchstimmung. Sieben Punkte aus den ersten vier Partien unter dem 43-Jährigen ließen auf eine Trendwende hoffen. Doch die Euphorie verpuffte schnell.
Mittlerweile liegt Bauers Punkteschnitt bei 0,86 – nur minimal besser als jener seines Vorgängers (0,8). Die Zahlen legen nahe: Das Problem sitzt tiefer als auf der Trainerbank. Der Kader wirkt unausgewogen, eine klare sportliche Identität ist nicht erkennbar.Geschäftsführer Peter Christiansen steht zunehmend in der Kritik. Allein in dieser Saison investierten die Niedersachsen laut Transfermarkt 68,65 Millionen Euro in neues Personal. Doch Spieler wie Saël Kumbedi und Vinícius Souza konnten bislang nur phasenweise überzeugen. Das jüngste 0:4-Debakel beim VfB Stuttgart offenbarte die strukturellen Probleme schonungslos. Teile des Kaders äußerten anschließend offen ihren Unmut. Routinier Yannick Gerhardt sprach von einem „nicht gesunden“ Verein. Auch Bauer fand deutliche Worte: „Fakt ist, dass wir viele Strukturen ändern müssen. Die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs sind aktuell nicht bundesligatauglich.“ Konsequenzen in Form weiterer personeller Veränderungen blieben jedoch aus.
Vor allem defensiv offenbaren die Wolfsburger eklatante Schwächen. 53 Gegentore stehen zu Buche – deutlich mehr, als der Expected-Goals-Wert von 45,3 vermuten ließe. Individuelle Fehler ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. In der Innenverteidigung fand sich bislang keine stabile Konstellation. Moritz Jenz und Jenson Seelt zeigten gute Ansätze, blieben jedoch inkonstant. Denis Vavro sorgte zudem mit einem Ohrfeigen-Vorfall für negative Schlagzeilen. Auch Konstantinos Koulierakis erlebte eine unglückliche Spielzeit und verursachte mehrfach Strafstöße. Vier Eigentore – Ligahöchstwert – unterstreichen die defensive Verunsicherung zusätzlich. Doch auch offensiv fehlt es an Durchschlagskraft. Wolfsburg verzeichnet die zweitwenigsten Abschlüsse der Liga. Verlässlich trifft lediglich Mohammed Amoura. Nachwuchsspieler Dzenan Pejcinovic steckt seit Wochen in einem Formtief.
Ein Blick auf das Restprogramm zeigt: Die Entscheidung fällt in direkten Duellen. Drei der vier Schlüsselspiele bestreiten die Wolfsburger in der heimischen Volkswagen Arena – gegen den Hamburger SV, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Doch der vermeintliche Heimvorteil relativiert sich: Stand Anfang März bildet der VfL das Schlusslicht der Heimtabelle, lediglich neun Punkte wurden vor eigenem Publikum eingefahren. Die restlichen Gegner bewegen sich im oberen Milleu der Tabelle, unteranderem Hoffenheim, Freiburg, Leverkusen und die Bayern. Am letzten Spieltag wartet ausgerechnet das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli am Millerntor-Stadion – ein mögliches Endspiel um den Klassenerhalt.
Vieles deutet derzeit auf den ersten Abstieg der Wolfsburger nach mehr als drei Jahrzehnten Bundesliga-Zugehörigkeit hin. Die angespannte Stimmung im Verein, die sportliche Form und die unausgewogene Kaderstruktur sprechen eine deutliche Sprache. Hoffnung keimt allenfalls in den direkten Duellen vor heimischem Publikum – und in der individuellen Klasse von Spielern wie Amoura, Lovro Majer oder Christian Eriksen. Einzelne Glanzmomente könnten im Abstiegskampf noch den Unterschied ausmachen.
SV Werder Bremen - mit Brustlöser in den Schlussspurt:
Nordwestlich von Wolfsburg kämpft der SV Werder Bremen derzeit ums sportliche Überleben. Nach zwei Spielzeiten, in denen die Grün-Weißen jeweils nur knapp am Europapokal vorbeischrammten, steckt der Traditionsklub nun tief im Abstiegskampf fest – aktuell auf Tabellenplatz 16. Die Gründe sind vielfältig: eine unausgewogene Kaderplanung und eine monatelange Negativserie, die erst am vergangenen Spieltag mit einem hart erkämpften 2:0-Heimsieg gegen den beendet wurde. Dieser dringend benötigte „Dreier“ soll nun neues Momentum entfachen, denn für Werder beginnen die „Wochen der Wahrheit“.
Am Sonntag gastieren die Bremer bei , einem Gegner, der selbst mit Formschwankungen zu kämpfen hat. Anschließend empfängt Werder den im heimischen Weserstadion, ehe es zum nächsten Sechs-Punkte-Spiel geht – auswärts beim zuvor thematisierten VfL Wolfsburg. Das Restprogramm hat es in sich: Mitte April steht zudem das prestigeträchtige Nordderby gegen den Hamburger SV an. Bis dahin sollte das Punktekonto angewachsen sein. Entscheidend dafür ist eine deutlich verbesserte Chancenverwertung. Trotz des Erfolgs gegen Heidenheim ließ der DoubleSieger von 2004 zahlreiche hochkarätige Möglichkeiten ungenutzt. Im Schnitt benötigen die Bremer 13 Abschlüsse pro Tor – eine Effizienz von lediglich 7,6 Prozent.
Hoffnung macht derzeit vor allem ein Name: Jovan Milosevic. Die Leihgabe traf in den vergangenen beiden Partien jeweils einmal und leitete mit seinem Kopfballtor den Sieg gegen die Brenzstädter ein. Seine Formkurve zeigt nach oben – ein wichtiger Faktor im Saisonendspurt. Auch Romano Schmid zeigte eine ansprechende Leistung, trotz seiner haarsträubenden Fehlschusses in Halbzeit 1. Er selbst sprach gegenüber Sky von einer mentalen Blockade. Werder Fans sowie Schmid selbst können hoffen, dass diese durch das Erfolgserlebnis nun verschwindet. Sorgen bereitet hingegen die angespannte Personallage. Gegen Heidenheim fehlten mit Karim Coulibaly, Amos Pieper, Maximilian Wöber, Felix Agu, Mitchell Weiser, Samuel Mbangula und Boniface gleich mehrere potenzielle Stammkräfte. Zwar werden einige Rückkehrer in den kommenden Wochen erwartet, doch weitere Ausfälle dürfen sich die Norddeutschen im engen Tabellenkeller nicht leisten. Auch Neu-Trainer Daniel Thioune ist auf Stabilität angewiesen.
Eine besondere Rolle könnte im Saisonendspurt das Umfeld spielen. Nachdem ein Capo der Fanszene die Mannschaft noch vor einer Woche demonstrativ aus der Kurve geschickt hatte, sorgte dessen leidenschaftliche Rede nun für einen emotionalen Schulterschluss. Die Atmosphäre im ausverkauften Weserstadion trug die Mannschaft spürbar durch die Partie gegen Heidenheim. Der propagierte „Schulterschluss“ zwischen Fans und Team könnte sich tatsächlich als entscheidender Faktor im Abstiegskampf erweisen. Denn in dieser Phase zählen nicht nur Qualität und Taktik – sondern auch Mentalität und Rückhalt.
FC St. Pauli - mit dem Trend weiterarbeiten:
Die Kiezkicker sind im Abstiegskampf das Team der Stunde. Im Februar holte die Mannschaft von Alexander Blessin neun Punkte aus vier Spielen, gegen VfB Stuttgart und Werder Bremen gelangen Heimsiege, zuletzt gewann man überraschend bei der TSG 1899 Hoffenheim. Nach einem katastrophalen Herbst haben sich die Braun-Weißen sichtlich stabilisiert, seit dem 15. Spieltag rangiert der FC auf Platz zehn der Formtabelle. Auch das Restprogramm spielt den Hamburgern in die Karten. Die durchschnittliche Platzierung der verbleibenden Gegner liegt bei 10,5 – mehrere direkte Duelle im Tabellenkeller stehen an. Auswärts geht es unter anderem nach Mönchengladbach, Köpenick und Heidenheim, am Millerntor empfängt der FC St. Pauli den , den sowie zum Abschluss den VfL Wolfsburg.
Das Prunkstück im Kader der Paulianer ist die Achse aus Mittelfeld und Innenverteidigung. Spieler wie Joel Chima Fujita, Eric Smith und Kapitän Jackson Irvine bilden die körperbetonte Säule im von der Fanszene titulierten „Klassenkampf“. Besonders Irvines Einfluss sticht hervor: Seit seiner Rückkehr in die Startelf agiert St. Pauli deutlich stabiler und erfolgreicher. Im Tor gibt Nikola Vasilj mit einer Save-Rate von 69,5 Prozent den verlässlichen Rückhalt. Nur Moritz Nicolas und Kamil Grabara parierten ligaweit mehr Bälle. In Hoffenheim kürte ihn der Kicker zum Man of the Match und berief ihn in die Elf des Spieltags.
Offensiv strahlt die Mannschaft inzwischen wieder mehr Gefahr aus, dennoch stehen nach dem 24. Spieltag lediglich 23 Tore zu Buche. Mit 254 Torschüssen stellt St. Pauli die wenigsten Abschlüsse der Liga. Die langwierige Verletzung von Andreas Hountondji, mit vier Treffern bester Torschütze neben Daniel Sinani, verstärkt die offensive Problematik zusätzlich. Hoffnung macht die aufsteigende Form von Mathias Pereira Lage, der seine starke Laufarbeit in Hoffenheim erstmals mit einem Treffer für die Kiezkicker krönte. Apropos Laufleistung: Hier zählt St. Pauli zu den Besten der Liga. Mit durchschnittlich 120,16 Kilometern pro Spiel belegt das Team den fünftbesten Wert im Vergleich. Auch in Sachen Disziplin sind die Hamburger solide unterwegs – lediglich 37 Karten sprechen für eine kontrollierte Spielweise, Sperren dürften im Saisonendspurt kaum zum Problem werden.
Formkurve, Einsatz und Spielplan sprechen somit für den Klub vom Millerntor. Mit Blessin verfügt St. Pauli über einen anpassungsfähigen Trainer, der im Vorjahr wertvolle Erfahrungen gesammelt hat – genug, um auch in dieser Saison den ersehnten Klassenerhalt einzutüten.
1. FSV Mainz 05 - Ruhe bewahren trotz Verletzungsproblemen:
In der Karnevalshochburg ist die gute Stimmung grundsätzlich zurück. Seit dem Trainerwechsel von Bo Henriksen zu Urs Fischer zeigen die Rheinhessen wieder jene Tugenden, die im Kampf um den Klassenerhalt gefragt sind. Unter dem Schweizer kassierten die Mainzer nur zwei Niederlagen, in der „Urs-Fischer-Tabelle“ rangieren sie auf Platz sieben. Aus dem einstigen Schlusslicht ist so der aktuelle Tabellen-14. geworden.
Zuletzt geriet der Motor zwar etwas ins Stottern – drei sieglose Partien in Serie –, doch der im Winter verstärkte Kader wirkt deutlich stabiler. Phillip Tietz, Sheraldo Becker und Stefan Posch haben das Leistungsniveau seit ihrer Ankunft in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt spürbar angehoben. Auch Akteure wie Kaishu Sano, die keinen einfachen Saisonstart erwischten, haben inzwischen zu ihrer Form gefunden. Im weiteren Verlauf kann der vor allem auf Nadiem Amiri bauen. Der 29- Jährige spielt statistisch seine stärkste Bundesliga-Saison, kommt auf zwölf Torbeteiligungen und hat sich mit Führungsstärke und Konstanz ins erweiterte Blickfeld von Bundestrainer Julian Nagelsmann gespielt.
Zum Schlüssel im Abstiegskampf könnte jedoch die Defensive werden. Unter Fischer sank der Gegentorschnitt von 1,85 (Henriksen/Hoffmann) auf 1,36 pro Spiel. Neben Posch ist hier auch Vereinsikone Stefan Bell zu nennen, der nach Verletzung laut Medienberichten wieder auf dem Trainingsplatz steht – eine potenziell entscheidende Komponente im Saisonendspurt. Selbst der Ausfall von Stammtorhüter Robin Zentner fällt bislang kaum ins Gewicht, da Ersatzmann Daniel Batz verlässlich liefert. Abstiegskampf ist oft ein Abnutzungskampf – entschieden über Grundlagen wie Zweikampfführung und Intensität. In diesen Bereichen sind die Mainzer gut aufgestellt: Sowohl bei gewonnenen Kopfballduellen als auch bei Flanken aus dem Spiel gehört man ligaweit zur Spitze, die hohe Anzahl an Verwarnungen unterstreicht die kompromisslose Gangart. Verbesserungsbedarf besteht jedoch im Kartenmanagement: Mehrere Spieler stehen bei vier Gelben Karten (etwa Posch und Bell) oder bei drei Verwarnungen wie Philipp Mwene. Im engen Saisonfinish könnte das zum Faktor werden.
Ein längerer Ausfall von Amiri würde hingegen schwer wiegen. Mit zehn Treffern hat er acht Tore mehr erzielt als der zweitbeste Mainzer Torschütze. Zuletzt fehlte er mit einer Fersenverletzung beim Auswärtsspiel in Leverkusen. Laut einem Bericht der Bild könnte Amiri den gesamten März pausieren. In den bisherigen vier Partien ohne den ehemaligen Leverkusener blieb Mainz sieglos. Auch die anstehende Ko-Phase der Conference League wird nochmals schlauchen, die Anzahl der Spiele könnte am Ende der Saison die Substanz der Mannschaft herausfordern. Diese Lücke müssten andere Säulen schließen. Bis Mai trifft der FSV im Schnitt auf Gegner aus dem oberen Tabellensegment – durchschnittliche Platzierung: Rang sieben. Unter anderem warten Duelle mit TSG 1899 Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und Bayern München.
In den letzten drei Spielen – in denen Amiri bei normalem Heilungsverlauf wieder zur Verfügung stehen sollte – wird es besonders brisant: Zunächst geht es nach Hamburg zum FC St. Pauli, anschließend gastiert Union Berlin in Mainz, ehe die Mannschaft von Urs Fischer zum Saisonfinale beim FC Heidenheim antritt. Gut möglich, dass es für die 05er bis dahin noch um alles geht.
1. FC Köln - gegen den Trend arbeiten:
Die erste Saison nach dem Wiederaufstieg verläuft für die Domstädter ordentlich. Platz 13 nach 24 Spielen bei einem Punkteschnitt von genau 1,0 liest sich gut nach einem Totalumbruch in einem neuem Liga-Klassement. Mit einer Tordifferenz von -8 kann man beruhigt in die letzte Saisonphase gehen, einzig alleine kann sich auf Punkte fokussiert werden. Die Mannschaft performt auf dem Niveau, wo sie sich statistisch bewegen sollte. In der xg-Tabelle belegen die Geißböcke ebenfalls platz 13, in der Theorie sollten sie jedoch bei 28 statt 24 Punkten stehen.
Ein Grund dafür könnte sein, dass Trainer Kwasniok immer wieder in der Defensive rotieren muss. Aktuell sind nur vier nominelle Innenverteidiger fit, was bei einer Dreierkette von Grund auf ein Problem darstellt. Wobei der Effzeh mit beispielsweise Simpson-Pusey einen sehr talentierten Innenverteidiger in der Wintertransferphase dazu gewinnen konnte.
Aktuell lässt sich festhalten, dass der Trend in eine gefährliche Richtung zeigt. In den letzten fünf Partien verloren die Kölner drei Spiele und stehen so in der Formtabelle auf Platz 16. Schwankungen, die bei einem Aufsteiger jedoch einkalkuliert sind. Auch deswegen stärken die Verantwortlichen den 44-Jährigen Kwasniok den Rücken. Mit Blick auf die verbleibenden zehn Spiele ein wichtiger Endschluss, es kommen zahlreiche Schlüsselspiele auf den FC zu, darunter das Derby zuhause gegen die Fohlen aus Mönchengladbach. Positiv ist, dass viele Schlüsselspiele vor eigenem Publikum in Müngersdorf ausgetragen werden. Hier holten die Kölner 15 von 24 Punkten, das eigene Stadion beflügelt die Geißböcke.
Die Offensive könnte am Ende den Unterschied pro Effzeh machen, durschnittlich erzielen die Kölner 1,38 Tore pro Spiel, bei 9,27 benötigten Schüssen pro Tor. Die zuletzt aufsteigende Form Ragnar Aches sowie die teils Weltklasse anmutenden Leistungen des gerade mal 19-Jährigen Kölner Top-Scorers Said El Mala haben das Potenzial zum wichtigen Asset. Diesen offensiven Output besitzen wenige Teams im unteren Tabellen-Segment, hier könnte der Schlüssel des 1. FC Kölns liegen.
Auf die Künste von Ache und El Mala sollte man sich am Geizbockheim jedoch nicht vollkommen verlassen, andere Spieler wie Kaminski, Bülter und Waldschmidt sollten den Output erhöhen, um die gute Ausgangslage im Abstiegskampf zu einem Erfolg zu verwerten.
Borussia Mönchengladbach: Später Elfmeter, große Wirkung:
Nur eine Autostunde vom Kölner RheinEnergie-Stadion entfernt liegt der Borussia Mönchengladbach-Park – und genau dort fiel am Wochenende ein Treffer mit enormer Signalwirkung. Kevin Diks verwandelte spät vom Punkt und sicherte den Fohlen drei eminent wichtige Zähler. Ohne diesen Sieg würde die Borussia auf Rang 15 stehen. So aber beträgt der Vorsprung auf den SV Werder Bremen aktuell drei Punkte. Sport-Geschäftsführer Rouven Schröder brachte die Bedeutung des Erfolgs gegenüber dem Kicker knapp auf den Punkt: „Habt ihr die anderen Ergebnisse gesehen?“ Mehr Kontext braucht es kaum im engen Tabellenkeller. Nach ersten kritischen Stimmen rund um den im Saisonverlauf beförderten Cheftrainer Eugen Polanski lieferte die Mannschaft gegen eine seriöse Antwort. Es war der erste Sieg nach zuvor sieben sieglosen Partien in der Rückrunde – und er kam zur rechten Zeit.
Die nächste Aufgabe führt die Borussia zum Liga-Primus nach München – eine Partie, in der die Erwartungen naturgemäß gedämpft sein dürften. Entscheidender könnten jedoch die darauffolgenden Wochen werden: gegen St. Pauli, im Derby beim sowie in den Heimspielen gegen Heidenheim und Mainz hat der VfL die Chance, den Grundstein für den Klassenerhalt zu legen. Mit 25 Punkten auf dem Konto dürften etwa zehn weitere Zähler aus den verbleibenden zehn Spielen notwendig sein, um auch 2026/27 erstklassig zu bleiben. Sollten die direkten Duelle weniger erfolgreich verlaufen, könnten selbst Heimspiele gegen Dortmund oder Hoffenheim Endspielcharakter annehmen.
Sportlich ist die Lage angespannt, personell nicht minder. Zwar ist der Kader in der Breite ordentlich aufgestellt, doch die erneute Adduktorenverletzung von Robin Hack trifft die Mannschaft mental wie sportlich. Youngster wie Wael Mohya oder Winterneuzugang Hugo Bolin könnten schneller als geplant Verantwortung übernehmen müssen. Offensiv fehlt es bislang an Durchschlagskraft. 11,2 Abschlüsse pro Spiel bedeuten den viertschlechtesten Wert der Liga. Dass vier der bisherigen 27 Tore – rund 15 Prozent – vom Elfmeterpunkt stammen, unterstreicht die Problematik aus dem Spiel heraus.
Eine mögliche Basis für den Ligaverbleib bleibt hingegen die Defensive. Aus einer stabilen Grundordnung heraus kreieren die Borussen regelmäßig Kontersituationen – ligaweit ist man hier Zweiter hinter dem Hamburger SV. Auch die Intensität stimmt: Mit 61,46 Bodenzweikämpfen pro Partie gehört man zu den aktivsten Teams der Liga. Gelingt es, diese Intensität mit mehr offensivem Mut zu verbinden, stehen die Chancen gut, in den direkten Duellen das rettende Ufer zu festigen.
Im folgenden werde ich auch auf den Hamburger SV sowie Union Berlin eingehen. Da beide Teams die gefestigsten Teams der unteren Tabellenhälfte sind, thematisiere ich sie nicht ausführlich.
Hamburger SV: Stabilisierung mit Perspektive:
Der Hamburger SV wirkt im Saisonverlauf zunehmend gefestigt. Platz neun in der Rückrundentabelle ist Ausdruck einer positiven Entwicklung. Siege und überzeugende Auftritte in Heidenheim, gegen Union und in Mainz haben die Rothosen aus der unmittelbaren Gefahrenzone geführt. Die Niederlage im Nachholspiel gegen Leverkusen war am ende verdient, auch wenn selbst in einem schwachen Heimspiel es fast noch zu einem Punktgewinn gereicht hat.
Die durchschnittliche Tabellenposition der verbleibenden Gegner liegt bei 9,5 – ein anspruchsvolles, aber machbares Programm. Duelle gegen Dortmund, Hoffenheim sowie Kellerkonkurrenten wie Bremen oder Wolfsburg bieten Chancen und Risiken zugleich. Ein vorzeitiger Klassenerhalt Anfang Mai scheint realistisch. Dafür sollte der Output der Stürmer jedoch ausgeweitet werden, Downs hängt nach seinem Winterwechsel noch in der Luft, Königsdörfer kann stand jetzt nicht die alleinige Option eins eines Bundesligisten sein.
Der Ausfall von Vizekapitän Capaldo wiegt allerdings schwer. Der Argentinier verletzte sich gegen Leipzig und wird mehrere Wochen fehlen. Hoffnungsträger bleibt unter anderem Luka Vušković – ein Talent, das bereits andeutet, welch enormes Potenzial in ihm steckt. Der junge Kroate scheint schon jetzt ein Spieler der Klasse zu sein, die jedem anderen Bundesligist gut zu Gesicht stehen würde. Seine Emotionen nach der vergebenen Doppelchance in der Nachspielzeit gegen Leverkusen zeigen seine Aufopferung für den Verein. Schafft der HSV es, das alle auf dem Platz ein ähnliches Emotions-Niveau erreichen, stehen die Chancen auf Klassenerhalt.
Union Berlin: Der Vorsprung schmilzt:
Beim 1. FC Union ist die Entwicklung weniger stabil. Dass die Köpenicker 23 Punkte in der Hinrunde sammelten, erweist sich nun als wertvolles Polster. Denn im Kalenderjahr 2026 stockt der Motor: Nur ein Sieg aus den letzten neun Spielen, ein Punkteschnitt von 0,78 – Werte, die im Abstiegskampf gefährlich werden können.
Trainer Steffen Baumgart steht vor richtungsweisenden Wochen. Rani Khedira bezeichnete den Auftritt im Borussia-Park als den schwächsten der Saison. Vor dem Duell mit Werder Bremen sind das mahnende Worte: Ein Sieg würde Union komfortabel distanzieren, eine Niederlage brächte die Eisernen endgültig zurück ins Getümmel. Auffällig ist der Rückgang in den Lauf- und Intensitätswerten. In Kategorien wie Sprints und intensive Läufe rangiert Union im unteren Drittel. Mehr Dynamik könnte ein Schlüssel sein, um die Trendwende einzuleiten.
Das Restprogramm wirkt lösbar. Mit Ausnahme der Partie gegen die Bayern sind die Gegner schlagbar – zumindest an einem guten Tag.
Fazit:
Der Bundesliga blüht ein Kopf-an-Kopf Rennen um den Ligaverbleib. Zwischen Platz 10 und 17 liegen nur acht Punkte. Ein guter oder ein schlechter Stint kann die ganze Saison einer Mannschaft entscheiden. Das der letzte Spieltag zwei direkte Duelle hervorbringt, könnte für Spannung bis zum Schluss sorgen. Spannung, die der deutsche Fußball dringend benötigen würde.
